auf deinen lippen schläft mein mund ...

auf deinen lippen schläft mein mund, in tiefen,
einen laternen schlummer müd – straßen
glänzen noch vom regen
und den eingekrümmten wegen kühl.

ist noch vom ort, nach zartem wonnen
hat mir fortgenommen
vogelgraues lied

und trägt
und nah am tot –
zarter hände blaues boot.

auf deinen lippen schläft mein mund
und ist all so, wie sich vergessne wiegen

 

Lied

fast verblichen tragen Spuren deine Schuhe
ganz verlassen einen Weg
noch durch wintermüden Schnee und traurig süß.

so bar, so schwer, wie schwarze Märe
rauscht vom Schneefeld  – ach, an dürrem Blatt
ein bisschen Wind. und zwischen Wolken, schmal

ein blauer Mund, der Lächeln winkt.
und Zapfeneis am Dach blüht. Aufgereiht

in allen Tönen. tropft, und klopft das nasse Kind,
auf dunkle Straße hin.

 

ich bin noch wunderbar traurig                                                                                                                                 

und bin bei nacht. steigt
in die bäche der winter
nah mir auf dem weg

und von allem grund
getaut, den schweren, nassen schnee
steht da ein baum

und hier und da trauriggelb
ein büschel gras. - er hat ein hemd

geweht, hat unter bäumen weh, ein wehen
sanft gelegt blättertraurig vorig altes jahr

und steht ein reh - ein haus
und wellen in den see getaut
unter allem wind

draußen ist alles schlaf 

unter den zeiten, hier
stehen wir beieinander, wie

sommer und winter 
überstrichener jahre an wänden

steigen gesichter in den bereich
umschrittener. wir kamen

in gleicher absicht
und atmen einander

begreifbar den regen, unter
bäumen bebender leiber ...

wie schlimm wir uns küssen
aller glieder vertauscht

 

 

schlaflied

wurdest wach von der tür - du last vaters schritte vom boden
durchs spaltbreite fiel licht - das maunzen streunender katzen,
wie weinende kinder

und du weißt nicht wohin mit dem schlaflied
unter der decke und denkst dich schon aus,
dass du noch kannst, bis zum schlaf.

im dunklen rücken plätze näher ans gesicht
schaut aus fenstern, dass keiner kommt
und weg fragt
über den bahnsteig, halten zeiger schritt
zwischen zwei orten – das alte ufer,
die leisen reste, schienen zuglos -
flüstern stillen durcheinander
im letzten zug, hat keiner mehr was zu sagen
schlafe ich meinen kopf
an deine schulter
über uns die nacht,
wie ein tier
fährt einer aus dem hof
zum luft schnappen
für bessere träume

aufenthalt

der morgen macht sich netz
tau - deine träume jetzt
würde ich wissen wollen

katze geht meine hand
und streicht dich wahr

auf dem dach
bist du gewesen
neben mir
das loch in meinem kopf

 

Allegorie der Nacht

Und legst dich endlich in die Wege.
An deinen Himmeln Augenschritte stehn.
Mond und Stern in einer fremden Stille.
Nun bist du schön.

Und ich verkläre
meine Welt und was sich um mich reiht.

Wie eine schüchterne Gebärde,
die um seine Bestimmung noch nicht weiß.

Und keines ist und niemand mehr
kehrt aus der Mitte weit -

An deinen Augen
an deiner Liebe leide
an deiner Tiefe weide ich mich aus

 

Vor mir

Späte Worte in abendlicher Parodie

Ich lausche

hungrig aus blauen Augen

 
 
 
 vom vergangnen

es bleibt ein stilles genießen
ein wind der weht
- mein herz
in schütteren kronen
das sich ums träumen schert

da wo die zeit rührt
an den stellen
da wo einmal wir hießen
und alles geht 

was flüstert mir der tag
von welken blättern
von märchen und spät

 

 

Herbsttanz

Der Herbst fiel wie das Laub
sanft in meinen Garten
 
Liebe ist
der Duft des Augenblickes
sprach der Wind
 
e´wger Brunnen
Tanz der Zeit
 
  
 
 

Kleine Träumerin

... mit zerzaustem Haar
mit schmutzigen Nägeln
vom Graben in Winkeln
da wo der Tag sich verirrt

und sie roch nach erdigem
Leben, nach Apfel und Most
und mit der Geste
eines südlichen Segens
streift sie sich das Haar
aus dem Gesicht

und zöge der Wind
nur eine Spur
an meinem Fensterkleid
ein leichtes Heben - vielleicht
wäre dies Lauschen in mir
ein Rauschen sanften Regens
geweint auf Papier

 
 
 


Ich glaube fast, und nicht mehr

Nichts tropft wie Regen in die Stunden
und Seiten blättern sich selbst
ständig in die Ewigkeit

Einsamkeit schreibt sich heute
mit mehr einsam als damals

und ich schweige mich wieder nieder auf Papier
in Stein und Glas – mein Lächeln

und dein Mund spricht mir verschlossen
all das, was sich nicht anhörte allein

 

und alles bleibt vage ... und weit
 
du sprichst von gestern
und ich hätte dich gern in meinen morgen gestreut
zwischen kühlen gräsern, ins feldgrau verregneter tage
in diese weite, die zu dauern scheint und nie zu enden
 
dass du mehr in meine stunde sprichst, als was zu sagen
in der ich weder schlafe noch wache und zu anders bin
und meinen kopf auf deine schulter gelegt -
dir, der du mich an meinen schönsten stellen zu finden weißt
 
in diesem kühlen morgen
im feldgrau dieser tage
 
 
 
 
 
  
 
 
 

 

 

 

 

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