Wimbledon

  • Das älteste Tennisturnier der Welt wird seit 1877 ausgetragen. Damals spielten 22 „Gentlemen“ um einen Pokal im Wert von 25 britischen Pfund. Eine Eintrittskarte kostete 37 Pennies. Erster Sieger vor rund 200 Zuschauern war der Brite Spencer W. Gore. 1910 wurden erstmals internationale Spieler zugelassen. Seit 1968 sind Profis dabei.

  • 1884 spielten erstmals 13 Damen in Wimbledon mit. Im Finale kam es zum ersten Geschwister-Endspiel bei einem Grand Slam. Maud Watson bezwang ihre Schwester Lilian mit 6:8, 6:3, 6:3 und bekam dafür 20 Guiness.

  • Offizieller Name des Turniers: All England Lawn Tennis Championships

  • Wimbledon hält den Regenrekord. 1999 fiel zum 30. Mal in der Turniergeschichte ein kompletter Spieltag aus. Seit 1922 fand das Turnier nur fünfmal ohne Regenunterbrechungen statt. Wenn wegen Regens unterbrochen wird, dann auf allen Plätzen.

  • In Wimbledon darf nur in traditioneller weißer Tenniskleidung gespielt werden. Bei Verstoß droht sogar der Ausschluss vom Turnier.

  • Über dem Eingang zum Centre Court steht ein Satz aus dem Gedicht „If“ des Schriftstellers Rudyard Kipling: „If you can meet with triumph and desaster. And treat those two imposters just the same.“ (“Wahre Größe beweist nur, wer Triumph und Niederlage gleich behandelt.“)

  • Der letzte britische Sieger war „Sir“ Fred Perry (U 1994) in den Jahren 1934-´36. Er gewann in den Finals von 1935 und ´36 gegen den Deutschen Gottfried Freiherr von Cramm. Die letzte Siegerin für Großbritannien war 1977 die 31-jährige Virginia Wade.
  • 2003 brach der All England Lawn Tennis Club mit einer beinahe 100-jährigen Tradition. Von diesem Jahr an müssen Spielerinnen und Spieler auf dem Center Court von Wimbledon vor der königlichen Loge weder einen Hofknicks machen noch sich verbeugen. Eine Ausnahme soll nur dann gemacht werden, wenn Englands Königin Elisabeth II. oder Thronfolger Prinz Charles anwesend sind. Laut Tim Phillips, dem Vorsitzenden des AELTC, ist der Herzog von Kent (Ehrenpräsident des Clubs) der Ansicht, "dass die Tradition des Hofknicks und des Verbeugens im Niedergang sind. Dies öffentlich auf dem Center Court zu machen, schien also nicht mehr richtig." Die Tradition hatte 1907 begonnen, als der damalige Prinz of Wales (später König Georg V.) mit seiner Ehefrau Prinzessin Mary das Turnier besuchte - "es nach einem der fast ebenso traditionellen regenbedingten Unterbrechungen allerdings wieder verließ", wie der "Guardian" (Mittwochsausgabe) anfügte.

  • Pro Jahr genießen die Besucher während der 600 Matches (ohne Qualifikation und Junioren) knapp 27 Tonnen Erdbeeren und 15 000 Flaschen Champagner.

  • 2001 erzielte Wimbledon einen Rekordgewinn von 30,2 Millionen US-$.

  • 2003 kamen 470 802 Zuschauer nach SW 19, was ein plus von knapp 1 300 Zuschauern gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Es war auch die zweitbeste Besucherzahl seit Bestehen des Turniers.

  • Der 26.06.2003 war der meistbesuchteste Tag in Wimbledon mit 41 967 Zuschauern. 34 800 Zuschauer werden aber nur zugelassen. Der Rest muss warten, bis ein Teil der Besucher die Anlage verlassen hat, um dann mit einem billigeren Ticket reingelassen zu werden. Übrigens gelangen nur 500 Tickets für den Centre Court und den Court No. 1 täglich in den freien Verkauf.

  • Jüngster Wimbledon Sieger aller Zeiten ist Boris Becker. Bei seinem 1. Sieg 1985 war er 17 Jahre, 7 Monate und 15 Tage alt. Den Rekord bei den Damen hält Lotti Dod, die bei ihrem Erfolg 1887 erst 15 Jahre 285 Tage alt war. Die Schweizerin Martina Hingis brachte es bei ihrem Sieg gegen Jana Novotna 1997 aber auch erst auf 16 Jahre und 279 Tage.

  • 1990 ist die erst 14 Jahre und 88 Tage alte Jennifer Capriati (USA) die jüngste Spielerin, die jemals auf einer Wimbledon-Setzliste stand. Ein Jahr später erreicht sie im Alter von 15 Jahren und 94 Tagen als jüngste Spielerin das Wimbledon-Halbfinale. Bereits 1907 nahm der erst 13-jährige Mita Klima aus Österreich am Turnier teil und wird damit ewig in den Rekord- und Geschichtsbüchern stehen bleiben.

  • Seit Henri Cochet (FRA) 1927, hat es kein Spieler mehr geschafft einen 0:2 Satzrückstand in einem Finale noch aufzuholen. Cochet gewann damals gegen seinen Landsmann Jean Borotra mit 4:6, 4:6, 6:3, 6:4 und 7:5.

  • Arthur Gore (GBR) war am häufigsten in Wimbledon dabei. Er nahm zwischen 1888 und 1927 insgesamt 36-mal teil. 1909 wurde er mit 41 Jahren und 6 Monaten ältester Einzelsieger des Turniers. Jean Robert Borotra (FRA) nahm von 1922 bis 1964 35-mal teil und war ´64 mit 65 Jahren der älteste Spieler, der jemals an diesem Turnier teilnahm. Nachdem er sich bis 1977 weiterhin an den Doppeln der Veteranen beteiligt hatte, beendete er mit 78 Jahren seine Karriere.

  • Boris Becker nahm von 1984 bis ´99 insgesamt fünfzehnmal am Turnier teil und erreichte siebenmal das Finale. Außerdem gewann Becker als erster Deutscher und als erster ungesetzter Spieler das Turnier.

  • Die meisten Matches in Wimbledon hat Jimmy Connors (USA) gewonnen. Er konnte 84-mal den Platz als Sieger verlassen. Auf Platz zwei folgt Boris Becker (71) vor Pete Sampras (63).

  • Steffi Graf war von 1984 bis ´99 insgesamt vierzehnmal dabei, kam neunmal ins Finale und gewann siebenmal die „Salatschüssel“.

  • Pete Sampras (USA) gewann zwischen 1993 und 2000 insgesamt 53 von 56 möglichen Spielen. Nur 1996 konnte er vom Niederländer Richard Krajicek im Viertelfinale bezwungen werden. Eine noch bessere Bilanz kann Sampras Landsfrau Martina Navratilova vorweisen. Sie gewann von 1982 bis ´90 insgesamt 61 von 63 möglichen Spielen. Lediglich 1988 und ´89 verlor sie im Finale.

  • John McEnroe (USA, 1977) und Vladimir Voltchkov (BLR, 2000) sind bisher die einzigen, die es als Qualifikanten bis ins Halbfinale des Turniers schafften.

  • Michael Stich gewann 1991 sein Halbfinale gegen Stefan Edberg (SWE), obwohl dieser keines seiner Aufschlagspiele verlor – Endstand: 4:6, 7:6, 7:6, 7:6.

  • Björn Borg gewann das Turnier als Einziger fünfmal in Folge. Der Schwede konnte so als Einziger in der Wimbledongeschichte 41 Spiele in Folge gewinnen, bis ihn 1981 John McEnroe (USA) mit 4:6, 7:6, 7:6 und 6:4 im Finale besiegte. Bei Borg’s erstem Triumph 1976 gab er im Verlaufe des Turniers keinen Satz ab.

  • 1994 erreichte der US-Amerikaner Todd Martin das Halbfinale, nachdem er zuvor viermal über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen musste – einmalig in der Open Ära seit 1968.

  • Evonne Goolagong-Cawley, deren Familie von den Ureinwohnern Australiens abstammt, gewann nach 1971 auch 1980 die Trophäe. Das Kuriose daran: Sie war bereits Mutter. Als erste Mutter, die das Turnier 1914 gewann, geht die damals 36-jährige Britin Dorothea Lambert-Chambers in die Geschichte ein.

  • Das längste Spiel, das je an einem Tag in Wimbledon ausgetragen wurde, fand im Jahr 2000 statt: Es war das Match zwischen Mark Philippoussis (AUS) und Sjeng Schalken (NED). Philippoussis gewann nach 5 Std. und 5 Min. mit 4:6, 6:3, 6:7, 7:6 und 20:18. Er schlug im Laufe der Partie 44 Asse (den Rekord von je 46 Assen in einer Partie halten Philippoussis – 2003 und Goran Ivanisevic – 1997). Der fünfte Satz war der längste fünfte Satz der Wimbledon-Geschichte.

  • Das längste Match von Wimbledon erstreckte sich über zwei Tage. Es begann am 23. Juni 1969 und endete am 24. Juni mit 22:24, 1:6, 16:14, 6:3 und 11:9 für den 41-jährigen  Amerikaner Ricardo Alonzo, genannt „Pancho“, Gonzales (U 1995).  Er gewann dieses Erstrunden-Match gegen seinen 16 Jahre jüngeren Landsmann Charles Pasarell und mit 112 Spielen ging es ebenfalls in die Annalen ein, da später der Tiebreak eingeführt wurde.

  • Das kürzeste Wimbledon-Finale der Herren gewann nach 37 Minuten William Renshaw gegen Hartley mit 6:0, 6:2, 6:1 im Jahre 1881. In den darauffolgenden fünf Jahren gewann Renshaw ebenfalls die Wimbledon-Einzelkonkurrenz.

  • 2003 war das letzte Mal, dass im Herren-Viertelfinale kein Ex-Champion mehr vertreten war. Das war davor zuletzt 1973 der Fall.

  • Bei den Damen ließ sich die Französin Suzanne Lenglen noch weniger Zeit. Sie schlug im Finale 1922 die Amerikanerin Molla Mallory in nur 26 Minuten mit 6:2 und 6:0. Mallory gewann immerhin achtmal die US-Open (von 1915-´18, 1920-´22 und 1926).

  • Erste farbige Sieger des Turniers waren Althea Gibson (USA, 1957+´58) bei den Damen und Arthur Ashe (USA, 1975, U 2003) bei den Herren. Ashe starb 1993 mit 49 Jahren am HIV-Virus, der durch eine Bluttransfusion in seinen Körper gelangt war.

  • Suzanne Lenglen (U 1939) gewann von 1919-1925 insgesamt 15 Wimbledon-Titel (Einzel, Doppel, Mixed). Billie Jean King und Martina Navratilova (USA) halten mit je 20 Erfolgen jedoch den Rekord. King siegte im Einzel 1966, ´67, ´68, ´72, ´73 und ´75 hinzu kommen weitere 10 Doppel- und 4 Mixedsiege). Absoluter Höhepunkt in King’s Karriere war, als sie 1973 die Einzel-, Doppel- und Mixedkonkurrenz gewann. Von 264 Spielen in Wimbledon gewann sie 224. Navratilova war neunmal im Einzel, achtmal im Doppel und viermal im Mixed erfolgreich – zuletzt 2003. Sie war mit diesem Titel und ihren 46 Jahren auch die älteste Spielerin, die jemals einen Major-Titel gewinnen konnte.

  • Die Rekordzahl von 17 Titeln bei den Herren hält John McEnroe (USA).

  • 1968 und ´69 gab es eine Unterteilung in Spieler, die für Preisgeld spielten und diejenigen, die sich mit einer Medaille begnügten. Rod Laver bekam 1969 für den Sieg 3000 Pfund.

  • Rekorde im Jahr 2001: Mit Goran Ivanisevic (KRO) siegt zum erstenmal ein Wildcard-Inhaber im Finale eines Grand Slams. Er schlägt im Laufe des Turniers 213 Asse und toppt somit seinen eigenen Rekord von 1992. In diesem letzten Montagsfinale (seit 1988) von Wimbledon schiedste erstmals kein Brite, sondern der Portugiese Jorge Diaz. Ivanisevic gewann gegen Pat Rafter (AUS) mit 6:3, 3:6, 6:3, 2:6 und 9:7.

  • Peinlicher Zwischenfall vor dem Herren-Finale 1996: Als sich MaliVai Washington (USA) und der spätere Sieger Richard Krajicek (NED) vor dem Match den Fotografen zum Erinnerungsfoto stellen, flitzt eine 23-jährige englische Aushilfskellnerin, mit einer ansehnlichen Figur, nur mit einer Minischürze bekleidet über den heiligen Rasen. Die Zuschauer lachen, jubeln und applaudieren mehr als beim anschließenden Match, das Krajicek souverän mit 6:3, 6:4, 6:3 gewinnt. Es war das erste Finale zweier ungesetzter Spieler, seit Einführung der Setzliste.

  • Die Setzliste wird nicht, wie üblich, nach der Weltrangliste erstellt, sondern der Vorjahressieger ist immer an Nr. 1 gesetzt.

  • Der durchschnittliche Wimbledon-Ballwechsel dauert ganze drei Sekunden.

  • Traditionen: Die Halmlänge des „Heiligen Rasens“, der das Jahr über gesperrt ist, beträgt exakt 4,76 mm, die Netzpfosten sind aus Holz und die Ballkinder tragen grün-violett. Ballmädchen sind erst seit 1977 dabei. Wer es einmal bis ins Viertelfinale geschafft hat, gehört zum legendären „Club der letzten 8“ und kann jedes Jahr Tickets fürs Turnier bekommen. Für diese Spieler gibt es einen Extrabereich bei Court 12.

  • Wimbledon ist weltweit die einzige Tennisanlage mit einem eigenen Falkner. Sein Greifvogel jagt die vielen Tauben, die sich unter dem alten Dach der ehrwürdigen Arena einnisten. Im Jahr 2000 hatte auch der Platzwart ein Problem: Ein Fuchs hatte nachts auf dem „heiligen“ Rasen sein Geschäft verrichtet. Mit grüner Farbe mussten die ätzenden Spuren beseitigt werden. Außerdem hat man einen eigenen Wetterradar.

  • Seit 1992 hat Wimbledon auch seinen eigenen Radiosender, der täglich 14 Std. live sendet.

  • Zuschauer, die ihre Plätze für den Rest des Tages verlassen, werfen ihre Tickets in einen Kasten auf dem Gelände. Diese werde dann für einen geringen Betrag an Zuschauer ohne Sitzplätze weiterverkauft. Wird wegen Regen weniger als eine Stunde gespielt, gibt es das Geld zurück, bei unter zwei Stunden wird die Hälfte erstattet.

  • Der Tiebreak wurde 1971 eingeführt. Damals ging man erst beim Stand von 8:8 in den Tiebreak. Seit 1979 hat man das auf 6:6 geändert.

  • 1986 war Premiere mit gelben Bällen, wovon jährlich ca. 42 000 verbraucht werden, die anschließend zugunsten wohltätiger Zwecke verkauft werden.

  • Ca. 23 000 Bananen werden jährlich von den rund 500 Spielern (Senioren-, Juniorenwettbewerbe mitgerechnet) vertilgt.

  • 1991 wurden, wegen des starken Regens zuvor, erstmals Matches am sonst spielfreien Sonntag angesetzt. 1997 trat dieser Fall erneut ein.

  • Während des Turniers werden ca. 2 150 Schläger bespannt.

  • 330 Schieds- und Linienrichter (darunter 45 Stuhlschiedsrichter) leiten jährlich 650 Matches. Die Linienrichter werden in zwei Teams pro Platz eingeteilt und wechseln alle 45 Minuten.

  • Die Royal Box bietet Platz für 75 Personen. Es gilt eine strenge Kleiderordnung: Erst nach dem ranghöchsten Gast dürfen andere die Jacke ablegen.

  • Außer BBC-Kameras dürfen keine weiteren installiert werden. Im Jahr 2003 übertrug man zum insgesamt 66. Mal (erstmals 1937) und sendete selbst rund 180 Stunden. Der Vertrag mit der BBC wurde bis 2009 verlängert.

  • Das Turnier wird in 182 Länder übertragen.

  • Angestellte des Spieler-Restaurants werden gefeuert, wenn sie über die Essgewohnheiten der Stars tratschen.

  • Die meisten Doppeltitel gewann der Australier Todd Woodbrigde (8). Sechsmal war er mit seinem Landsmann Mark Woodforde erfolgreich, was schon einen Rekord in der Open Ära bedeutete. Hinzu kommen aber noch zwei Titelgewinne mit seinem schwedischen Partner Jonas Björkman.

  • Der Siegerpokal der Herren heißt „Callenge Cup“. Die sogenannte „Salatschüssel“, die bei den Damen für den Sieg überreicht wird, trägt den Namen „Venus Rosewater Dish“.

  • Bei den Herren ist der Titelverteidiger erst zweimal in der 1. Runde im darauffolgenden Jahr gescheitert. Der Spanier Manolo Santana unterlag dem Amerikaner Charlie Pasarell (1967) und der Australier Lleyton Hewitt verlor gegen den Kroaten Ivo Karlovic (2003). Den Damen passierte das dreimal, zuletzt Martina Hingis aus der Schweiz, die 1999 der damals noch für Australien startenden Jelena Dokic mit 2:6 und 0:6 unterlag. Auch Steffi Graf passierte dieses Missgeschick einmal: 1994 verlor sie in ihrem Auftaktmatch gegen Lori McNeil (USA) mit 5:7 und 6:7.

  • Häufigste Siegerin: Martina Navratilova (USA, 9 Einzeltitel, 1978/´79, 1982-´87 und 1990).

  • Häufigste Sieger mit je 7 Einzeltiteln: Pete Sampras (USA, 1993-´95, 1997-2000) und William Charles Renshaw (GBR, 1881-´86 und 1889; damals war der Titelverteidiger automatisch für das nächste Finale qualifiziert).

  • Die Anlage: All England Lawn Tennis & Croquet Club (375 Mitglieder, wovon nur 33 Tennis spielen) an der Church Road (seit 1922) im Londoner Stadtteil Wimbledon. Insgesamt wird auf 18 Courts gespielt. Zuschauerkapazität des Centre Court: 13 308, Court No. 1 (1997 eingeweiht): 11 428, Court No. 2: 2 220 + 770 Stehplätze, Court No. 3: 300





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