Über die Jahreskreisfeste


    Inhalt:

Samhain – aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen
 

Imbolc – Fest der Wiedergeburt des Lichts

Beltaine - Fest der Liebe und der Sinnesfreude

Lughnasadh – Fest der Freude und des Dankes





    Samhain – aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen


    Samhain, auch Semhain genannt, bezeichnet das Ende des alten keltischen Jahres und zugleich den Beginn eines neuen Jahres im alten Kalender. Samhain könnte nach einem keltischen Totengott benannt sein und ist das erste und gleichzeitig spirituellste Fest im Jahreskreislauf. Nachdem zu Lughnasadh die Ernte begann, ist sie mittlerweile abgeschlossen und die Vorräte für den kommenden Winter sind eingebracht. Es ist die Zeit gekommen um innezuhalten um sich spirituell mit dem Kreislauf des Lebens zu beschäftigen.
     
    In alter Zeit wurde das Samhain- Fest, das traditionell am 1. November gefeiert wird, hauptsächlich dazu verwendet, mit den verstorbenen Ahnen in spirituellen Kontakt zu treten um sich deren Rat und Beistand in Bezug auf anstehende Entscheidungen zu versichern. Manchmal dauerte Samhain auch über mehrere Tage in denen die Sippen sich versammelten um Heiratsabsprachen zu treffen, Freundschaften zu besiegeln, Bündnisse zu schließen und Besitzverhältnisse zu klären. Unseren Vorfahren war bewusst, daß das Leben an sich vergänglich ist und alles in den universalen und natürlichen Kreislauf des Lebens eingebettet ist, auch und speziell die menschliche Existenz. Was lag also näher auch die verstorbenen Ahnen in diese Prozesse und in die Feiern mit einzubeziehen.
     
    Was können aber wir, die wir in der postindustriellen Gesellschaft aufgewachsen sind, individuell diesem uralten Jahreszeitenfest entnehmen um Nutzen für Gegenwart und Zukunft daraus zu ziehen? In unserer schnellebigen Zeit, die uns durch die Unzahl der gegenwärtigen Aufgaben kaum Gelegenheit bietet über Vergangenes und Zukünftiges nachzudenken fällt es uns immer schwerer vergangenes Wissen als für uns nützlich und wichtig zu befinden. Die spirituelle Verehrung der Ahnen erscheint uns archaisch, über die Leistungen unserer Großeltern lächeln wir oftmals nur müde. Große Erfindungen der Vergangenheit erscheinen uns anachronistisch, Gegenstände des täglichen Lebens von gestern sind uns unnütz und alte Kulturpflanzen sind uns völlig fremd. Dem promovierten Historiker und Exkanzler Dr. Helmut Kohl wird sinngemäß der Ausspruch zugeschrieben: „Wer die Vergangenheit nicht kennt versteht auch nicht die Gegenwart!“. Nur wer die Gegenwart als dynamisches Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft begreift ist auch in der Lage die richtigen Entscheidungen für sich und andere treffen. Ist es daher nicht sinnvoll, geradezu unerläßlich, von unseren „transzendenten Ahnen“ zu lernen und sie in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen?
     
    Frage dich: Was weiß ich über die Gegend in der ich lebe? Welche Tiere und Pflanzen kann ich dort finden? Welche Gewässer gibt es und welche Lebewesen leben darin und in der Nähe? Wer hat früher hier gelebt? Welche Völker, Stämme und Sippen haben hier gewohnt und von was lebten sie? Welche Spuren haben sie hinterlassen und welche Zeugnisse ihrer Existenz haben sie hinterlassen? Wie haben sich die großen weltgeschichtlichen Veränderungen unmittelbar in meinem geschichtlichen Umfeld ausgewirkt? Frage dich: Woher stammen meine Urgroßeltern? Woher stammen deren Vorfahren? Was haben sie gearbeitet, von was haben sie sich ernährt und unter welchen Bedingungen? Welches waren ihre Götter und Göttinnen, und wie verehrten sie selbige?
     
    Wenn du die Antwort auf diese Fragen suchst so bedenke: Je mehr ich über meine Geschichte und die Historie meiner Heimat weiß, desto mehr weiß ich wer ich bin! Die persönliche Identität beginnt nicht mit der Geburt in einem spirituellen Vakuum. Jeder Mensch besitzt seine ureigenste Geschichte und nimmt einen individuellen Platz auf dieser Welt ein. Jeder Mensch ist daher einzigartig! Unsere „Ahnen“ die uns also einzigartig machen sind nicht nur unsere unmittelbaren Eltern und Großeltern, sondern beziehen alle Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine und GöttInnen in unserem Umfeld und im Umfeld unserer Vorfahren mit ein. Man könnte auch sagen, die „Ahnen“ sind im weitesten Sinne die kollektive Seele unseres Universums, die in uns präsent ist.
     
    Samhain ist für uns eine wunderbare Gelegenheit uns dieser spirituellen Erfahrung hinzugeben und um sich mit diesen „Ahnen“ zu vereinigen. Wir können die Gelegenheit nutzen, der „Göttin“ nahezukommen indem wir zeigen, daß wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen nicht als selbstverständlich hinnehmen und indem wir uns selbst begreifen als unerläßliches Bindeglied zwischen den „Ahnen“ und der Zukunft. Einst werden wir selbst ein Teil der kollektiven „Seele“ der „Ahnen“ zukünftiger Generationen sein, wenn wir alles tun um die Voraussetzungen für eben jene Generationen zu schaffen. Es liegt in unserer Hand und wir sind deshalb auch verantwortlich vor unseren „Ahnen“ und vor denen die kommen werden!
     
    Verantwortung vor sich selbst und vor den „Ahnen“ zu übernehmen erfordert Weisheit und spirituelle Kraft. Rituale zu Samhain können uns helfen diesen spirituellen Weg weiterzugehen, jeder auf seine ureigenste Art. Wir können dieses Bewußtsein dadurch verstärken indem wir z. B. Kerzen anzünden und symbolische Opfergaben in Form von Gebäck verwenden. Der individuellen Phantasie sind hierbei keinerlei Grenzen gesetzt.
     
    Daß der Tag der Samhain – Feierlichkeiten im Zuge der Christianisierung Mitteleuropas nach und nach seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat ist angesichts des Wesens des Christentums nicht weiter verwunderlich. Der Jenseitsbezug des Christentums einhergehend mit der Geringschätzung des irdischen Lebens zugunsten einer „Erlösung“ vom „irdischen Leidensweg“ nahm den Menschen die Verantwortung für zukünftige Generationen ab und legte sie in „Gottes Hand“. Nicht mehr der Mensch benötigte Weisheit um die Geschicke der Welt zu lenken, sondern für die Zukunft war nun der allmächtige monotheistische Gott zuständig der für die finale Problemlösung den „Erlöser“ geschickt hat. Was lag also näher als diesen Tag der „Ahnenverehrung“ , Samhain, zum Tag der Vergötzung der christlichen „Heiligen“ zu machen, zu „Allerheiligen“. Nicht mehr die „Ahnen“ sollten als Bezugsgrundlage für Spiritualität gelten, sondern willfährige Christen, die ihr Leben einsetzten um die Macht der christlichen Kirche zu stärken galten nun als Vorbilder und werden verehrt. Daß manche „Heilige“ ihren Ursprung in Fabeln und Märchen haben, andere „Heilige“, wie z.B. der heiliggesprochene katholische Primas von Kroatien, Stepinac, der für die Ermordung von mindestens einer dreiviertel Million serbischer Christen verantwortlich zeichnete, Mörder und Totschläger in „Christi Namen“ waren, tut dabei keinen Abbruch.
     
    „Allerheiligen“ wurde von Papst Gregor IV im Jahr 837 der Christenheit verordnet und zum 1. Novembers des gleichen Jahres erstmals „gefeiert“. Daß die Bevölkerung hierzulande wenig begeistert über diese Umwidmung ihres wichtigsten Feiertages war, geht schon daraus hervor, daß die heidnischen Bräuche zu Samhain sich teilweise bis zum heutigen Tag erhalten haben, man denke nur an Rübengesichter und Kürbislaternen.
     
    In keltischen Landen hielten sich beharrlich Brauchtum und Ahnenverehrung zu Samhain trotz aller „christlichen“ Bemühungen zu deren Ausmerzung Allerheiligen heißt im Englischen „All Hallows“, der Abend davor „All Hallows Evening“, daraus wurde im Laufe der Zeit verkürzt „Halloween“. Die großen Auswanderungswelle Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, in welcher Hunderttausende von Iren wegen Hungersnot und Armut in die „Neue Welt“ aufbrachen, brachte Halloween nach Amerika, wo es dann endgültig um seine spirituellen Inhalte gebracht wurde. An Halloween ziehen die Kinder in Gruppen mit Fratzen maskiert von Haus zu Haus um Süßigkeiten zu erbetteln. Geizige Nachbarn, die den Kindern nichts oder nicht ausreichend Beute bescheren werden dann von den Quälgeistern freudig „heimgesucht“.
     
    Heute sind es auch Jugendliche und Erwachsene die sich begeistert in Discos und privat zu Halloween- Parties treffen um maskiert oder unmaskiert den allzu menschlichen Freuden frönen. Als US- Exportartikel steht Halloween heute in einer Reihe mit Coca- Cola und Mc. Donald’s. Somit schwappte Halloween wieder zurück über den großen Teich und seitdem hat der 1. November als Feiertag seine christliche Umdeutung für einen großen Teil der Bevölkerung wieder weitgehend verloren und verdankt seine Beachtung hauptsächlich dem Umstand daß er gesetzlicher arbeitsfreier Feiertag ist.
     
    Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, die spirituellen Wurzeln von Samhain neu für sich zu entdecken um aus den Lehren der Vergangenheit zu lernen wie unsere Zukunft und die der nachfolgenden Generationen gewährleistet werden kann. Ich wünsche allen Lesern ein besinnliches und erbauliches Samhain. (pt2003)



    Imbolc – Fest der Wiedergeburt des Lichts


    Nachdem der Jahreskreislauf der Kelten mit Samhain begonnen hat und zur Wintersonnwende (Julfest) die Sonne wieder zu neuem Leben erwacht ist, beginnen die Tage allmählich länger zu werden. Das Abendessen kann nun schon ohne Kerzenschein (oder elektrisches Licht) eingenommen werden. Dies ist der richtige Zeitpunkt um einmal in sich zu gehen, der alltäglichen Dinge Einhalt zu gebieten, der „Großen Göttin“ dafür zu danken daß die dunkle und kalte Zeit bald vorüber sein wird, und um für das neue Jahr zu planen.
     
    Unsere Vorfahren feierten diesen Tag als Beginn der bäuerlichen Aktivitäten des neuen Jahres. Die Mutterschafe begannen wieder Milch zu produzieren, daher leitet sich möglicherweise auch der Ursprung des Wortes „Imbolc“ vom keltischen Wort "óimelc" ab, das aus den Worten "oi"("Schaf") und "melcg" (Milch) zusammengesetzt ist. Die im Winter hergestellten Kerzen wurden an Imbolc gesegnet und erstmals angezündet. Selbst die Christen übernahmen diesen Tag als „Lichtmeß“ und das rituelle Anzünden von Kerzen erinnert an diesen alten Brauch. In skandinavischen Ländern hat dieser Feiertag noch heute große Bedeutung, der katholische Kalender verzeichnet den 2. Februar als „Mariä Lichtmeß“. Noch bis ins späte neunzehnte Jahrhundert war das der Zeitpunkt um Dienstboten und Hauspersonal für das neue Jahr einzustellen.
     
    Andere Auslegungen neueren Datums von "Imbolc" gehen mit "Geburt, Entbindung, ritueller Reinigung" in dieselbe Richtung. Alles weist darauf hin, daß Imbolc ursprünglich das dank der weiblichen Fähigkeiten zu gebären, zu ernähren und zu schützen wieder in Gang kommende Leben feierte. Es sind schließlich die zu Beltane, dem Fest der Liebe und der Fruchtbarkeit gezeugten Kinder, die nun das Licht der Welt erblicken. Und es sind jene Fähigkeiten, die in der heidnischen Gesellschaft niemand besser verkörperte als die seit der Steinzeit verehrte "Große Mutter", die die Kelten einerseits unter einer großen Zahl lokaler Namen kannten wie z.B. die Nemeter und Teverer als „Nemetona“, andererseits auch unter überregionalen, z.B. "Brigantia" vorwiegend auf dem Festland und "Brigit" auf den britischen Inseln.
     
    Beide Namen gehen auf einen indoeuropäischen Stamm, den „Brigantes“ mit der Bedeutung "Hoheit, Erhabenheit, Macht, Wirkung" zurück: Brigit wäre demnach die Hohe, Hehre, Mächtige, Wirkende, die oberste Göttin. Europaweit gehen Stammes-, Orts- und Flußnamen auf sie zurück. Die Brigantes sind ein Keltenstamm, der aus Bregenz, seiner Hauptstadt am Bodensee, auswanderte, zuerst nach Britannien, wo Flußnamen wie "Barrow", "Braint" und "Brent" vorkommen, und darauf nach Irland, um sich u.a. auf der Ebene von Brech niederzulassen. In Irland nahm die Göttin dann unter dem leicht abgewandelten Namen "Brigit" einen solchen Rang ein, daß dieser zu einem Synonym für "Göttin" wurde. Vielerorts, vor allem in Irland ist Imbolc daher auch als Tag der „Heiligen Brigitte“ bekannt. Wie kam das?
     
    Nun, für die christlichen Missionare war die kaum gebrochene Verehrung der Muttergöttin in Irland ein schwerwiegendes Problem, ging damit doch eine Wertschätzung der Natur und der weiblichen Sexualität einher, also genau jener Dinge, woran die an der Genesis geschulten Männer den Sündenfall der Menschheit festmachten und worauf ihre Furcht vor ewiger Verdammnis gründete.
     
    Den Namen eines heidnischen Jahreszeitenfestes, Imbolc, das im Bild der Mutterschaft und des Lammes die Kräfte der großen Göttin evozierte und bewahrte, ließ sich jedoch relativ leicht zum Verschwinden bringen - die Substanz, um die es ging, jedoch nicht. Die einzige Lösung war die Verchristlichung der großen Göttin zur Gestalt der künftigen irischen Nationalheiligen, St. Brigid von Kildare, und der Übertragung ihres Festtages, von da ab "Faíl Brighde", "Fest der Brigid", auf die fromme Äbtissin, die von 452 (oder 454) bis 524 (?) gelebt haben soll.*
     
    Ob diese eine historische Persönlichkeit war, ob sie im Dienst der Großen Göttin stand, ob sie, wie vermutet wird, tatsächlich das der Brigid geweihte Feuerheiligtum in Kildare (westlich von Dublin) eigenhändig christianisierte, all das muß hinter der Frage zurücktreten, inwiefern der Versuch gelang, die Muttergöttin durch eine der Welt entsagende, christliche Nonne zu ersetzen. Schließlich hüteten im Kloster von Kildare weiterhin 19 weißgewandete Frauen das von einer Weißdornhecke - dem der Großen Mutter heiligen Gehölz - umgebene Feuer. Jedem männlichen Wesen war Zutritt bei schlimmster Strafe untersagt.
     
    Nun, vollen Erfolg, das Physische zu verdrängen, zeitigen höchstens die genormten, abgehobenen Gipsstatuen der Heiligen, die mancherorts, hauptsächlich aus ökonomischen Gründen, an heiligen Quellen stehen. Die Blumen, Votivgaben und Briefe zu ihren Füßen verraten jedoch, daß in den Herzen und Köpfen der Gläubigen das Bild einer zwar sehr spirituellen, aber zugleich auch praktischen, tatkräftigen, hilfreichen und mütterlichen Frauengestalt weiterlebt, der nichts Menschliches fremd ist*
     
    Imbolc zu feiern gibt uns Gelegenheit über den ewigen Kreislauf von Tod, Geburt und Leben nachzudenken. Wir können Kerzen ins Fenster stellen und Brigit als Gestalt der Großen Göttin ein Stück Butterkuchen opfern. Dieser schöne alte keltische Brauch, der in Irland heute noch stellenweise gepflegt wird verbindet uns spirituell mit der kollektiven Seele der Nemeter, des Volkes, dessen Namen wir tragen und dessen Wiedergeburt wir in unseren Herzen betreiben- der Wiedergeburt des Lichts.(pt 2002)
     
    (* Auszug aus Sylvia Botheroyd: Das keltische Jahr, [http://www.juergen-koerner.de/kelten_t.htm#Imbolc] )



    Beltaine- Fest der Liebe und der Sinnesfreude


    Beltaine oder auch Beltane genannt ist für viele spirituell interessierte Menschen das schönste und gleichzeitig wichtigste Jahreszeitenfest im Jahreskreis. Die Natur ist zum Leben erwacht, überall blüht und grünt es und die Sonne erwärmt das Land. Die Zeit der Kälte und der Finsternis sind endgültig vorbei und die blanke Lebensfreude erfasst Mensch und Tier für die es nun auch wieder ausreichend Nahrung gibt.
     
    Beltaine leitet sich wohl vom keltischen Lichtgott Belenos ab, dessen wörtliche Bedeutung „leuchtendes Feuer“ bedeutet. Ihm zu Ehren wurden zu Beltaine nächtliche Feuer angezündet. Dieser Brauch starb nie wirklich ganz aus.
     
    Im vorchristlichen Europa waren Beltaine- Riten weit verbreitet und hatten einen sehr hohen Stellenwert. War es doch der Zeitpunkt der geschlechtlichen Vereinigung der „Großen Göttin“ mit ihrem jugendlichen Gefährten, dem „gehörnten Waldgott“, dem Mittler zwischen den Menschen und dem Reich der Tiere. Die Befruchtung der Natur als sexuellen Akt zu begreifen ist nicht schwer, entspricht er doch den biologischen Abläufen. Was wäre daher naheliegender, als diesen natürlichen Vorgang zu heiligen und zu schützen durch ein Fest der Liebe und der Fruchtbarkeit. Sexualität ist doch etwas Wundersames, etwas Besonderes und Schönes, aber auch notwendig um neues Leben zu erschaffen. Sexualität zwischen Menschen die sich lieben ist somit die Nachahmung des „göttlichen Schöpfungsaktes“, die Imitation der Vereinigung der „Göttin“ mit dem „gehörnten Gott“. Betrachtet man Sexualität als etwas „Heiliges“, ja „Göttliches“ so ist man auch eher geneigt deren Missbrauch zu verhindern. Triebgesteuerte Sexualität als Mittel der Machtausübung entspricht nicht der naturreligiösen Vorstellung vom gleichberechtigten und hierarchielosen Miteinander von Mensch und Natur.
     
    Beltaine und das Christentum

    Erst die alttestamentarische Vorstellung von Sexualität als dem originären „Sündenfall“ mit allen seinen tragischen Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft führte zur Ablehnung von geschlechtlicher Liebe und damit einhergehender Beschmutzung derselben. In einer christlichen Kultur, in der Sexualität mit Tabus belegt sind und die Keuschheit zur Tugend erkoren hat, fällt es nicht leicht sich sexuell zu artikulieren ohne gegen Vorurteile und Konventionen ankämpfen zu müssen.
     
    Es ist kein Wunder, dass die christlichen Missionare, die die vorchristliche Bevölkerung mit Schwertern und Heiligenbildern, Scheiterhaufen und Hostien, Kruzifixen und Soldaten bedrängte und nervte, sich gegen alles wandte, was mit Fruchtbarkeit und Sex zu tun hatte. Die angestammten Ritualplätze wurden mit Michaeliskapellen zugemüllt, heidnische Fruchtbarkeitsrituale unter Strafe gestellt, naturreligiöse Menschen (insbesonders Frauen) auf dem Scheiterhaufen als „Hexen“ verbrannt, der Glaube an die Wiedergeburt der Natur als Ketzerei verdammt und durch den Glauben an eine gequälte Jammergestalt am Kreuz ersetzt.
     
    Nicht Freude, Liebe und individuelle Freiheit sind den Pfaffen Ausdruck von Glauben, sondern die wahren christlichen Tugenden sind ihrer Meinung nach Leiden, Schmerz Enthaltsamkeit und schließlich Erlösung durch den Tod. Diese lebensfeindliche Theologie ersetzte für ca. 1600 Jahre bis zum heutigen Tage die Vorstellung vom Menschen als göttlichem Teil der Natur und von Sexualität als spirituellem Ausdruck davon. Mittelalterlich- dumpfes Gedankengut, geboren aus verklemmter Sexualfeindlichkeit und klerikaler Allmachtsphantasie machten aus Beltaine einen „Hexensabbat“, bei dem angeblich die bösen „Hexen“ dem „Teufel“ sexuell zu Diensten sind, und die auch verantwortlich sein sollen für Mißgeburten und sonstiges Ungemach.
     
    Die Nacht zum ersten Mai bekam von den Pfaffen den Namen der christlichen „Heiligen Walpurga“ verpasst, einer angelsächsischen Benediktiner- Nonne im achten Jahrhundert, die im schwäbischen Heidenheim als Äbtissin wirkte, und alle braven Christenleute hatten sich fortan mit Heiligenbildchen und Holzkreuzen vor dem Einfluss der „bösen Hexen“ zu schützen, die in dieser Nacht ihr Unwesen treiben.
     
    Ganz ausrotten ließen sich die alten Gebräuche dennoch nicht ganz. Volkssitten wie die Errichtung von Maibäumen in den dörflichen Gegenden mit einergehenden Volksfesten und der „Wonnemonat“ Mai als bevorzugter Hochzeitsmonat zeugen davon, wie tief sich die alten Traditionen im Unterbewusstsein verankert haben.
     
    Beltaine – die Wiedergeburt

    Die Transformation von Beltaine durch die Nazis in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts zum weltlichen „Tag der Arbeit“, nunmehr mutiert zum Tag der gewerkschaftlichen Selbstbeweihräucherung ist aber der Gipfel der Perversion. Was hat letztlich betriebliche Schutzgelderpressung in Form von Gewerkschaftsbeiträgen zur Finanzierung der Luxusleben von hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionären mit dem Fest der Liebe und der Fruchtbarkeit gemein? Kein Wunder, dass dieser gesetzlich arbeitsfreie 1. Mai hauptsächlich als Feiertag für die Schankwirte gilt und von breiten Bevölkerungsschichten als Ausflugstag genutzt wird.
     
    Aber tief im Unterbewusstsein haben wir die alte Vorstellung von Beltaine bewahrt. In Kneipen und Discos wird „Tanz in den Mai“ gefeiert. Hier wird unmerklich wieder an die alten Traditionen angeknüpft in denen Musik und Tanz einen zentralen Platz einnahmen. Und dass in dieser Nacht manche Partnersuche erfolgreich endet entspricht dem Geist von Beltaine.
     
    Gemeinschaftsorientierte und spirituell interessierte Menschen feiern Beltaine vermehrt wieder an alten Kultstätten, in der Natur draußen oder im eigenen Garten. Heute glaubt niemand mehr, dass rituelle in der Natur vollzogene Sexualität die Felder befruchtet, wie es unsere Vorfahren annahmen, aber das Grundverständnis ist erhalten geblieben und im Grundsatz ja richtig und vernünftig. Gemeinsames Singen, Musizieren und die Vereinigung von Menschen die sich lieben sind Ausdruck von Wertschätzung unserer gemeinsamen Lebensgrundlagen. Nur wer die natürlichen Ressourcen achtet und sich für ihre Erhaltung einsetzt, sichert das Überleben der menschlichen Spezies. Krieg, Zerstörung der Umwelt und Raubbau an der Natur bewirken das Gegenteil.
     
    Nehmen wir Beltaine, das Fest der Liebe und der Sinnesfreude, zum Anlass mit Freunden und Gleichgesinnten ausgelassen zu feiern und uns des Lebens zu erfreuen. (pt.2003)



    Lughnasadh – Fest der Freude und des Dankes


    Lughnasadh (oder Lugnasadh), auch Lammas genannt, ist das vierte und letzte Jahreskreisfest im Jahreszyklus und entspricht dem 2. August, genauer gesagt der Nacht vom 1. zum 2. August, nach unserem Kalender. Endlich werden die Früchte der Arbeit eines ganzen Jahres eingesammelt, mithin ein Grund zur Freude also. Mit Beginn des Monats August (auch Erntemond genannt) neigt sich der Hochsommer dem Ende entgegen und die Getreideernte beginnt. Die ersten Brote aus neuem Getreide werden gebacken, und was liegt näher, als der „Göttin“ zu danken und ihr ein Getreideopfer darzubringen. Bildet doch eine gute Ernte die Gewähr dafür, für das nächste Jahr ausreichend Nahrung für Mensch und Haustier zu haben.
     
    Lughnasadh ist die keltische Bezeichnung dieses Festes und war ursprünglich, wie der Name sagt, dem keltischen Sonnen- und Feuergott Lugh gewidmet und bezieht sich auf von ihm zu Ehren seiner Ziehmutter Tailte abgehaltene Begräbnisfeierlichkeiten.
     
    Lammas ist eine germanische (vielleicht angelsächsische) Bezeichnung für dieses traditionelle Erntedankfest und kommt vielleicht von "loaf- mass", ein Fest, bei dem frisch gebackene rituelle Brotlaibe auf den Altar gelegt werden. Diese Feierlichkeiten zogen sich traditionell über 2 Wochen hin bis zum 15. August.
     
    Erntedankfeste wurden und werden in nahezu allen Agrargesellschaften gefeiert. Die Zeitpunkte mögen unterschiedlich sein, aber das Bedürfnis den jeweiligen Göttern und Göttinnen für die Ernte zu danken und ihnen eine symbolische Opfergabe der geernteten Früchte zu opfern zieht sich durch nahezu alle Kulte und Religionen. Selbst die christlichen Kirchen übernahmen diesen schönen alten Brauch und schmücken ihre Kirchen und Altäre mit kunstvollen Getreidegarben und Backwaren.
     
    Der christlichen Tradition des Erntedanks dürfte wohl am ehesten der 15. August (Mariä Himmelfahrt) entsprechen. In Italien ist dieser Tag noch immer unter seinem heidnischen Namen „ferragosto“ bekannt und ist einer der populärsten Feiertage, bezeichnet er doch das Ende der Sommerferien und den Beginn der Ernte. Die Bevölkerung fährt an diesem Tag aufs Land zum gemeinsamen Picknick und Feiern, während die Innenstädte an diesem Tag verödet sind. Kein Wunder, dass die katholische Kirche diesen heidnischen Feiertag nach der Dogmatisierung der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele durch Papst Pius XII im Jahre 1950 offiziell zum christlichen Feiertag machte. Nachdem die anderen 3 Jahreskreisfeste schon christliche Namen erhalten hatten, Imbolc wurde zu Mariä Lichtmeß, Beltaine zur Walpurgisnacht, Samhain zu Allerheiligen, wurde also auch das schöne Erntedankfest christlich vereinnahmt.
     
    Mit dem Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft gegen Ende des Neunzehnten Jahrhunderts sowie zur Dienstleistungsgesellschaft der heutigen Zeit ist die Bedeutung von Erntedankfesten immer mehr zurückgegangen. In unserer westlichen Welt braucht praktisch niemand mehr zu hungern und nur sehr wenige Menschen arbeiten noch in landwirtschaftlichen Betrieben. Während in Ländern der Dritten Welt täglich Menschen verhungern, werden Nahrungsmittelüberschüsse vernichtet und Agrarüberschüsse mit Steuergeldern subventioniert um die Preise „stabil“ zu halten.
     
    Vielleicht ist dieser Feiertag ein Anlass, einmal über diesen Wahnsinn, der Methode hat, nachzudenken. Gegebenenfalls gibt auch hier das Motto „Global denken – lokal handeln“ Anlass genug, auch persönlich aktiv zu werden. Die Globalisierung der Wirtschaft erzeugt ein Ungleichgewicht zu lasten der Armen und jetzt schon Benachteiligten dieser Welt. Während multinationale Konzerne ihre Gewinne in Steueroasen verschieben, sind viele Menschen Unterernährung und Krankheiten ausgesetzt und haben oftmals nur erschwert Zugang zu Trinkwasser und Medikamenten. Weltweite Organisationen wie „attac“, „greenpeace“, „earth first“ und andere benötigen unsere Unterstützung im Kampf gegen eine Globalisierung, die nur wenigen nützt.
     
    Lughnasadh als Tag der Danksagung für die Produkte, die uns die Natur zum Überleben spendet ist ein prädestinierter Tag an dem wir uns Gedanken machen könnten über eine gerechtere Güterverteilung, über gelebte Gemeinschaft, über konkrete Zukunftsutopien in der Bioregion in der wir leben. Wir können auch ein Ritual feiern, bei dem diese Gedanken der Dankbarkeit und der Lebensgrundlagen für Morgen gebührend gewürdigt werden.
     
    Erhalten wir uns die notwendige Sensibilität, diesen schönen Feiertag nicht nur mit Essen, Trinken, Musik und Tanz, spirituellen Ritualen und Festivitäten zu begehen, sondern um auch ein kleines Mosaiksteinchen zur Verwirklichung einer zukünftigen gerechteren und lebenswerten Welt beizutragen. So wird die Bedeutung von Lughnasadh auch in Zukunft viel Gutes bewirken und ein Tag des Dankes und der Freude sein können. (pt 2003)
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