Religionskritisches


    Inhalt:
"Heidenangst" oder die Angst vor Heidnischem?

Schaut her: die bösen, bösen Kinder sind schuld!
 
Bischöfliche Geschichtsklitterung
 
Rituale statt Gottesdienst?
 
.....so wahr mir Gott helfe!




 

„Heidenangst“ oder die Angst vor Heidnischem?

 
„Wer die Gottesfurcht preisgibt, der wird von der Heidenangst überrollt." meinte der Limburger Bischof Franz Kamphaus in seiner diesjährigen Pfingstpredigt (1). Man sollte sich diese Worte mal auf der Zunge zergehen lassen. Heidenangst? Einschlägige Enzyklopädien sagen aus mit „Heidenangst“ eine sozusagen „übermächtige Angst“ gemeint sei. Überhaupt wird der Begriff „Heide“ auch anderen Worten angefügt um deren Bedeutung zu verstärken z.B. Heidenspass, Heidenarbeit, Heidenspektakel usw.

Die bischöfliche Interpretation der Heidenangst zielt aber in eine andere Richtung: "Wer Gott fürchtet, braucht vor Menschen keine Angst zu haben.“. Mithin unterstellt der werte Bischof hier, dass Phobien aller Art durch die „Furcht“ vor seinem „Gott“ weggepustet würden. Und wer seinen „Gott“ nicht „fürchtet“, der hätte eben zwangsläufig eine „Heidenangst“. Aus der bischöflichen Sichtweise kann man das ja sogar irgendwie nachvollziehen. Wer sein eigenes Leben in den Dienst des Jenseits stellt kann mit hedonistischen Gedankengut eben nichts anfangen. Entsprechend der eigenwilligen Definition von „Heidenangst“ wie sie auf der Kölner erzbischöflichen web-site nachzulesen ist (2), müssten also Heiden in ständiger Angst leben, während Christen ein völlig angstfreies Leben führen. Dass aber Heiden, die den christlichen Jenseitsglauben nicht teilen, gar keine „Angst“ vor den christlichen Höllenstrafen haben, ist nicht in Bischofs Sinne.

Aber des Bischofs „Pfingstbotschaft“ richtet sich ja nun mal nicht an die „Heiden“ und sonstige „Gottesleugner“, sondern vordergründig an seine eigenen Schäfchen. Und diesen wird mitgeteilt, dass ihre Ängste verfliegen, wenn sie nur diesen „Gott fürchten“. Es ist zum Fürchten! Vor was kann sich ein Christ schon fürchten? Nun, noch vor vierhundert Jahren hätte er allen Grund gehabt sich tagtäglich zu fürchten, nämlich vor dem Verdacht der Häresie, der Ketzerei, der Hexerei, des Bundes mit dem Teufel, vor der Denunzierung durch Nachbarn, Obrigkeit, Pfaffen und Ordnungshütern. Vor „Gott“ brauchte man sich der Christenmensch nicht zu fürchten, nur vor seinen „Stellvertretern“.

Es wird ja tagein, tagaus von allen Kanzeln herunter gepredigt dass „Gott“ die Menschen so sehr liebt, dass er sogar einen Teil seiner dreifaltigen gespaltenen Persönlichkeit durch römische Besatzungssoldaten auf grausame Weise hinrichten lies um die Menschen von einer gewissen „Erbsünde“ zu erlösen damit sie dann nach ihrem Ableben in alle Ewigkeit harfespielend auf einer Wolke sitzen können und nicht in einer Feuerhölle braten müssen. Wenn also dieser „Gott“ die Menschen so sehr liebt, wieso sollen sie ihn dann fürchten? Oder bezieht sich die angemahnte „Furcht“ doch eher auf die Unterwürfigkeit der Gläubigen unter dem Klerus? Fragen über Fragen. Aber vielleicht ist diese angemahnte „Gottesfurcht“ auch in einem Kontext zu sehen, den der Limburger Bischof nur andeutet:

„Jesus habe den Menschen keinen Gott nahe gebracht, den wir uns unter den verlieblichenden Schalmeientönen einer esoterischen Kuschelreligion nach eigenen Bedürfnissen zurechtträumen"

Hier also sieht der Bischof die heraufziehende Gefahr. Die verlieblichenden Schalmeientöne einer esoterischen Kuschelreligion! Welch geniale Wortschöpfung. Vielleicht dachte er hier an mittelalterliche Straßenmusiker, deren Musik die von Klerus und Obrigkeit geknechteten Untertanen wenigstens zeitweise der Lethargie des täglichen Überlebenskampfes enthob und deren Gesellschaftskritik sich zwischen den Zeilen ihrer Verse verbarg. Waren nicht Spielmänner und Spielfrauen mit ihren Spottgedichten und Parodien auf Kirche und Obrigkeit die mittelalterlichen Vorläufer des modernen Kabarett? Verkörperten sie nicht ein Stück Freiheit unter widrigen Bedingungen? Auch ein Stück Freiheit von den Zwängen einer importierten Spititualität, die erst durch Zwangsbekehrung und Waffengewalt in unseren Breitengraden Einzug hielt?

Was genau ist an einer „Kuschelreligion“ denn so verwerflich, entstammt sie doch dem individuellen spirituellen Bedürfnis und nicht den Maßgaben eines auch nach weltlicher Macht strebenden Klerus? Ist es vielleicht die Tatsache, dass es innerhalb und ausserhalb der christlichen Kirchen immer mehr Menschen gibt, die Dogmen ablehnen, die ihre ureigenste freie Spiritualität auch öffentlich ausleben und sich dazu bekennen? Sind die spirituellen Bedürfnisse Einzelner für die institutionellen Kirchen eine derart große Gefahr dass davor eindringlich gewarnt werden muß zu träumen?

Bedeutet es nicht Heidentum, die eigene und freie Spiritualität, die an keine Hierarchien und Dogmen gebunden ist, auszuleben? Haben die in ihren inneren und äußeren Zwängen gefangenen Kirchen dem nicht mehr entgegenzusetzen als martialische Höllendrohungen und „Gottesfurcht“?

Ist es nicht das, wovor der Bischof eine „Heidenangst“ hat, nämlich dass die Menschen mehr und mehr zu einer Rückbesinnung auf ihre Wurzeln, ihre Umwelt und ihre spirituelle Freiheit finden und sich nicht mehr den „Bedürfnissen“ der Kirchen anpassen, sondern erwarten, dass die Kirchen ihren Bedürfnissen entsprechen? Oder dass die Menschen den Kirchen den Rücken zuwenden, sie verlassen und ihre spirituelle Erfahrungen in anderer Weise finden? Oder dass die Gläubigen sich ihren Gott bzw. ihre Götter und Göttinnen so erschaffen, dass sie damit selber klarkommen?

Nicht der Suchende hat eine Heidenangst, sondern derjenige der unter zunehmender Einsamkeit und Verlassenwerden leidet. Insofern gestehe ich dem Bischof seine persönliche „Heidenangst“ schon zu. Sie ist berechtigt! (pt.2005)

Quellenhinweis:
1. http://www.kath.net/detail.php?id=10487

2. http://www.erzbistum-koeln.de/export/sites/erzbistum/seelsorge/_galerien/download/einkehrtag/2002-2a.pdf Auszug: Das Echo auf die Gottesferne sei die Angst. Darum gäbe es eigentlich gar keine Christenangst, sondern nur eine Heidenangst, denn ein Heide sei ein Mensch, der in der Gottesferne lebe


Schaut her: die bösen, bösen Kinder sind schuld!

„Der Jude ist wie ein Feuer im Busen, wie eine Maus im Sack, wie eine Schlange am Hals.“(Papst Innozenz III. 1198-1216)


 
Sechzig Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die vorrückende „rote Armee“ versammeln sich Berufspolitiker und hauptberufliche Verbandsfunktionäre aller Couleur zum symbolträchtigen „Gedenken“ an die Opfer. Besonders die Gedenkveranstaltungen, die im öffentlich- rechtlichen Fernsehen ihren Widerhall finden sind besonders gefragt. Und wie immer bei solchen zelebrierten Anlässen sitzen Kardinal Lehmann, der Zentralratsvorsitzende Spiegel und Bischof Huber mit ernsten Minen einträchtig nebeneinander in der ersten Reihe, von den Fernsehkameras in Nahaufnahme eindrucksvoll bestätigt. Was sollen uns diese Bilder sagen? Etwa, dass 60 Jahre „danach“ das Thema „Schuld & Sühne“ nebst der zugehörigen politisch korrekten Sprachregelung von allen Beteiligten auf der rhetorischen Tastatur fehlerfrei beherrscht wird? Ausrutscher werden gnadenlos bestraft: Jenninger und Hohmann stehen noch immer wie bedrohliche Kometen am Himmel.
 
Insofern verwundert es nicht dass ausgefeilte Erklärungen aller Art diesen bedeutungsschwangeren Tag begleiten. Verbandsjuristen feilen wochenlang an ebenso brillanten wie nichtssagenden Texten, die dann durch sich zu diesem Zweck eigens versammelte Gremien abgenickt den Printmedien und den Nachrichtenagenturen zum Fraß vorgeworfen werden. Das Interesse der Bevölkerungsmehrheit an diesen Erklärungen hält sich angesichts eines gleichzeitig durch die Medien beachteten Schiedsrichter- Skandals beim DFB in engen Grenzen.
 
Dennoch versäumt es die katholische deutsche Bischofskonferenz nicht auch ihre eigene „Erklärung“ abzugeben. Rechtzeitig zum 27. Januar 2004 ist dieses in 4 Kapitel aufgeteilte Dokument auch auf kath.-net (1) zu bestaunen. Der interessierte Beobachter denkt sich seinen Teil und liest ihn aufmerksam durch um festzustellen inwieweit sich die Kirche zu ihrer eigenen Rolle und ihrer Mitschuld bezüglich der „Shoah“ bekennt. Im zweiten Absatz des dritten Kapitels glaubt er endlich fündig zu werden:
 
„Die Frage von Mitverantwortung stellt sich auch unserer Kirche. Wir sind gehalten, uns über eine lange Tradition des Antijudaismus unter den Christen und in unserer Kirche Rechenschaft abzulegen.“
 
Das macht Hoffnung! Wir wollen geflissentlich darüber hinwegsehen, dass die innerkirchliche Sprachregelung unterscheidet zwischen (politischem und gesellschaftlichen) „Antisemitismus“ und (religiösem) „Antijudaismus“. Dieser in kirchlichen und kirchenhistorischen Verlautbarungen sehr beliebten Vivisektion widerspricht die gesamte moderne Antisemitismusforschung, die auf die fortdaurnde Wirkung des religiösen „Antijudaismus“ auch im politisch und rassisch motivierten Antisemitismus hinweist. Aber lassen wir diese Spitzfindigkeiten und lesen weiter:
 
„So hat das vatikanische Dokument „Wir erinnern“ im März 1998 die Frage aufgeworfen, „ob die Verfolgung der Juden nicht doch auch von antijüdischen Vorurteilen begünstigt wurde, die in den Köpfen und Herzen einiger Christen lebendig waren“.
 
Aha! Der Antijudaismus“ fand also statt in den „Köpfen und Herzen einiger Christen“. Was bitte schön hat dann die „Kirche“ damit zu tun? Etwa gar nichts? War da nicht die katholische Kirche schon mal weiter? Die Erklärung der deutschsprachigen Bischofskonferenzen 1988 besagte:
 
„Wir müssen die Last der Geschichte annehmen...Denn die Geschichte ist nicht etwas Äußerliches, sie ist Teil der eigenen Identität der Kirche und kann uns daran erinnern, daß die Kirche, die wir als heilig bekennen und als Geheimnis verehren, auch eine sündige und der Umkehr bedürftige ist".
 
Hier wird eindeutig die „heilige Kirche“ als „sündig“ bezeichnet und man versucht nicht die Schuld auf die „Gläubigen“, die „Kinder der Kirche“ abzuwälzen. Aber offensichtlich weht nun ein anderer Wind aus Rom. Deshalb auch der folgende Rückzug auf die päpstliche Position:
 
„Das Schuldbekenntnis der Katholischen Kirche, vor aller Welt am 12. März 2000 von Papst Johannes Paul II. ausgesprochen, enthält auch das „Schuldbekenntnis im Verhältnis zu Israel“: „Lass die Christen der Leiden gedenken, die dem Volk Israel in der Geschichte auferlegt wurden. Lass sie ihre Sünden anerkennen, die nicht wenige von ihnen gegen das Volk des Bundes und der Verheißungen begangen haben“.
 
„Leiden“ die dem „Volk Israel auferlegt wurden“ ist eine nicht nur falsche, sondern eine widerliche und zynische Umschreibung für einen geschichtlich einmaligen organisierten Massenmord. Und schuld ist etwa die Kirche? Mitnichten! Also „die Christen“! Das gemeine „Christenvolk“ trägt also die Verantwortung, während sich der Klerus „die Hände in Unschuld wäscht“? Entspricht das den Tatsachen? Das erinnert doch sehr stark an sektentypische Verhaltensweisen. Als im Jahr 1975 das prophezeite „Harmaggeddon“ nicht eintraf, verlagerten die Verantwortlichen der „Wachtturm-Gesellschaft“ der „Zeugen Jehovas“ auch kurzerhand die Verantwortung für den Mißgriff auf „die falsche Erwartungshaltung einiger Brüder“, als ob sie nicht selbst in ihrer eigenen Literatur jahrelang „das Ende“ gepredigt hätten.
 
War der Klerus also nicht beteiligt? Bezeichnenderweise urteilte der Freiburger Erzbischof Gröber noch im März 1941 als die „Endlösung“ schon zur Perfektion heranreifte in einem Hirtenbrief:“ Über Jerusalem gellt indessen der wahnsinnige, aber wahre Selbstfluch der Juden: »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!« Der Fluch hat sich furchtbar erfüllt. Bis auf den heute laufenden Tag.“ Die Katholische Kirchenzeitung der Erzdiözese Köln urteilte einen Monat später (2): "Es gibt nur wenige Männer und zu diesen großen Männern gehört unstreitig der Mann, der heute seinen 52Geburtstag feiert - Adolf Hitler - Am heutigen Tag versprechen wir ihm, daß wir alle Kräfte zur Verfügung stellen, damit unser Volk den Platz in der Welt gewinnt, der ihm gebührt.“ Kardinal Faulhaber meinte dazu: „Der Reichskanzler lebt ohne Zweifel im Glauben an Gott. Er anerkennt das Christentum als den Baumeister der abendländischen Kultur“. Papst Pius XII ergänzte: „Ich wünsche dem Führer nichts sehnlicher als einen Sieg.“ Daher konnte Katholik Hitler auch in zynischer Selbstgerechtigkeit feststellen: „Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher“ und: „Indem ich mich des Juden erwehre, vollbringe ich das Werk des Herrn“
 
 
Im Jahr 1998 veröffentlichte die vatikanische "Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Juden" das Dokument „Wir erinnern. Eine Reflexion über die Shoah" in der die Schuld an der „Shoah“ etwa einem „typisch neuheidnischen Regime“ angelastet wird, als ob die Täter nicht fast ausnahmslos getaufte Christen gewesen wären. Der jüdische Gelehrte Richard L. Rubenstein, der im Angesicht der Shoah seinen Gottesglauben verlor meinte dementgegen: „Der Nazismus kann nicht als neues Heidentum angesehen werden...Der Nazismus war dialektisch verneintes häretisches Christentum. Wären die Deutschen echte Heiden gewesen, die alten heidnischen Tugenden der Mäßigung und Beschränkung wären bei ihnen stärker ausgeprägt gewesen, als das tatsächlich der Fall war." (3)
 
Der Theologe und Schriftsteller Herbert Jochum zieht in seiner Analyse zur vatikanischen Stellungnahme unter dem Titel: „Die Mutter Kirche, die ihre Kinder schuldig spricht“ folgendes vernichtende Fazit:
 
„Die Kirche muß ihre Schuldgeschichte eines Jahrhunderte langen kirchlichen Antijudaismus, der wesentliche Voraussetzung der Shoah wurde, wahrnehmen und aufarbeiten (1. Schuld).
Kirche muß ihre Schuldgeschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus, ihr Versagen, ihren fehlenden Mut, ihre Selbstbezogenheit u.a. wahrnehmen und aufarbeiten (2. Schuld).
Die Kirche muß ihre Schuldgeschichte aus der Zeit nach der Shoah wahrnehmen und aufarbeiten, wie sie mit der Schuld umging, wie sie ihr Heil im Verschweigen und Verdrängen, im Aufrechnen und Relativieren suchte, daß sie als Kirche keine Liturgie, kein Ritual, kein Formular schuf, das ein Schuldbekenntnis ihr und denjenigen ermöglicht hätte, die gerne ihre Schuld bekannt hätten, aber keine Sprache fanden. Das Judentum hat sich den Jom HaShoah , die Synagoge eine Jom HaShoah-Liturgie geschaffen, die Namen der großen Vernichtungslager erscheinen plötzlich im ergreifenden Gesang des El Male Rachamim. Kirche, die ein Amt als Gemeinschaft der Vergebung erhalten hat, lehren soll, wie man vergibt und Vergebung erbittet, hat auch hier wieder versagt. (3. Schuld).
Der Kirche dieses Vatikanischen Dokuments kann nicht vergeben werden.“ (4)
 
In nahezu unverschämten und realitätsfernem Kontrast dazu die Einschätzung der katholischen Bischofskonferenz in ihrer „Erklärung“: „Dieser Akt von Papst Johannes Paul II. ist zu einer Quelle der Erneuerung geworden. Entschlossen schreitet der Papst im Bemühen um eine Verbesserung des Verhältnisses zum Judentum voran und ermutigt die ganze Kirche, gemeinsame Wege mit unseren "älteren Brüdern im Glauben" zu finden.“
Hätte die deutsche katholische Bischofskonferenz auf dieses Papier verzichtet, es hätte niemand vermisst. Den „Kindern der Kirche“ die Schuld in die Schuhe zu schieben und sich selbst als „heilige Kirche“ von Schuld freizusprechen wird das Ansehen der katholischen Kirche in Europa nicht stärken, sondern dazu führen, dass solcherlei Uneinsichtigkeit einfach mit Nichtbeachtung bestraft wird. (pt2005)
 
 
Quellenverweise:
 
1. http://www.kath.net/detail.php?id=9552
 
2. Die Katholische Kirchenzeitung der Erzdiözese Köln vom 20. 4. 1941
 
3. Richard L. Rubenstein, Der Tod Gottes, in: Michael Brocke / Herbert Jochum (Hg.), Wolkensäule und Feuerschein. Jüdische Theologie des Holocaust (Abhandlungen zum christlich-jüdischen Dialog, Band 13) München 1982, Neuauflage Gütersloh 1993, S.111-125, hier S. 124
 
4. http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/1998/imp980405.html


Bischöfliche Geschichtsklitterung

Unter dem Titel „Auch der Atheismus wird überwunden werden“ berichtete der katholische Nachrichtendienst „kath-net“ (www.kath.net) über eine Rede, die der Regensburger Bischof Ludwig Müller anlässlich eines Festgottesdienstes in der Wallfahrtskirche des tschechisch - deutschen Grenzortes Neukirchen b. Hl. Blut zur EU- Erweiterung am 1. Mai 2004 hielt.
 
kath-net berichtet wie folgt:
 
In seiner Predigt betonte Bischof Gerhard Ludwig die gemeinsame Aufgabe aller Christen, für ein friedliches Miteinander einzutreten. Dabei betonte er, die europäischen Völker müssten sich nicht nur auf wirtschaftlicher und politischer Ebene näherkommen. Wichtig sei es, das gemeinsame Europa auf ein gemeinsames, tiefes Fundament zu stellen.
 
...womit er das „christliche“ Fundament meinte und die Gelegenheit zur Schelte am gegenwärtigen Entwurf der EU- Verfassung übte:
„Was ist denn die Tiefendimension Europas?“ fragte Bischof Gerhard Ludwig. „Der Entwurf für die gemeinsame Verfassung aller europäischen Länder nennt sie nicht beim Namen. Sie erwähnt nur allgemeine religiösen Wurzeln in Europa. Es wird nicht klar zum Ausdruck gebracht, dass es die christlichen Wurzel ist, die den Baum Europas in einem tiefen Fundament verankert. Entscheidend ist, was Europa in den romanischen, germanischen und den slavischen Völkerschaften seit Beginn unserer Zeitrechnung verbunden hat: Der Glaube an Jesus Christus. Erst das Christentum hat Europa zu einer Einheit zusammen gebracht und zusammen geformt. Es ist unsere Aufgabe, die wir uns zu Jesus Christus bekennen, dass wir diese innere Einheit beim Namen nennen und damit einer wirklichen Gemeinschaft den wichtigsten, den entscheidenden Dienst leisten.“
 
Diese Geschichtsklitterung kirchlicher Machart hat jahrhundertelange Tradition. Bischof Ludwig ist beileibe nicht der Einzige, der hier unverschämt lügt. Im Einzelnen:
 
    1. Den „Beginn unserer Zeitrechnung“ markiert nicht den Beginn eines christlichen Europas, sondern das angebliche Geburtsdatum dieses jüdischen Wanderpredigers in dessen Namen jahrhundertelang gemordet, geplündert, Bücher verbrannt und Menschen gequält wurden.

    2. Nicht das Christentum verband Europa zu „Beginn unserer Zeitrechnung“, sondern die Römerstrassen, die Alpenpässe, die Donau und die nördlichen Aussengrenzen des Römischen Reiches.

    3. Die „romanischen, germanischen und slawischen Völkerschaften“ wussten von ihren angeblichen „christlichen Wurzeln“ überhaupt nichts und würden sich dagegen verwehren. Erst ab dem 4. Jahrhundert gab es in Mitteleuropa in nennenswerter Zahl „Christen“ und es dauerte noch über 1100 Jahre bis die letzten Völker Europas, die Prußen und die Litauer, sich im 15. Jahrhundert der christlichen Übermacht ergeben mussten.

    4. Statt Einheit, Menschenrechte und Friede brachte „der Glaube an Jesus Christus“ jahrhundertelang Kriege, Ketzerverfolgungen, Hexenverbrennungen, Bücherindizierung, Leibeigenschaft, Analphabetismus, Feudalherrschaft und kulturelle Lethargie über Europa.

    5. Erst die Aufklärung in Verbindung mit Humanismus und aufkeimender Kirchenkritik führte zur Abschaffung von Sklaverei, Zensur und Standesgesellschaft. Erst der erzwungene Rückzug der Kirchen aus Europas Politik und Gesellschaft führte zu einer freien Mediengesellschaft, die auch die einzelnen Bürger Europas auch über große Entfernungen verbindet.

 
Statt die Einheit Europas zu fördern verstand es die römische Kirche eben über Jahrhunderte, den Menschen das dazu notwendige Wissen vorzuenthalten um sie in Knechtschaft vor Thron und Altar gefangen zu halten. Aber es kommt noch dicker:
 
Im Nationalismus steckt ein atheistischer, Gott verleugnender Kern.
 
Falsch! Der Nationalismus ist eine Ausgeburt des Christentums römischen Prägung. Das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ war keine atheistische Erfindung. Es war der Papst, der die Häupter seiner Herrscher krönte. Und war es nicht Martin Luther, der den Zug der Geschichte aufhielt indem er dazu ermahnte, der „Obrigkeit“ nach Römer Kapitel 13 „untertan“ zu sein und so die Aristokratie religiös rechtfertigte? Die Bildung der europäischen Nationalstaaten im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert fand nicht im luftleeren Raum statt sondern war die Folge auch von kirchlichem Machtmissbrauch.
 
Eine politische und wirtschaftliche Grundlage bliebe letztlich brüchig, so der Bischof.
 
Zu was es religiöse Grundlagen gebracht haben muß hier nicht näher erläutert werden.
 
Alles würde wieder hinauslaufen auf gegensätzliche Interessen einzelner Nationen. Er erinnerte an die Vergangenheit, in der sich die Völker viele Wunden geschlagen hätten. „Das hat nicht erst mit den furchtbaren totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts angefangen, sondern schon in den Nationalismen des späten Mittelalters..“
 
Die „Nationalismen des späten Mittelalters“, ich denke hier bezieht er sich auf die geschichtlichen unfriedlichen Entwicklungen in der Folge von Reformation und Gegenreformation, sind kein Produkt von Atheismus, sondern von kirchlichem Machtmißbrauch.
 
In jedem Nationalismus steckt schon ein atheistischer, ein Gott verleugnender Kern. Nationalismus ist ein Rückfall in das Heidentum.
 
Es ist nicht bekannt, daß das vorchristliche Heidentum den Nationalismus in irgend einer Form gefördert hätte. Selbst das Römische Reich war multikulturell und pantheistisch geprägt. Und unsere heidnischen Vorfahren hatten nirgendwo einen Nationalstaat, sondern allenfalls Stammes- und Sippengesellschaften.
 
Die eigene Kultur und Sprache wird vergöttert, wie ein Götze an die höchste Stelle gesetzt“. Man sei bereit, einem solchen Götzen die anderen Menschen zu opfern, deren „Gesundheit und Leben einfach in den Dreck zu treten weil man meint: Meine eigene Nation ist alles“. Dieser Nationalismus habe sich wie eine gewaltige Blutspur durch Europa gezogen. „Wie viele Kriege gab es nur aus nationalistischem Eigeninteresse, aus der Vergötzung der eigenen Nation heraus.
 
Es lässt sich nicht bestreiten, dass der Nationalismus, wie andere Ideologien auch, oftmals religiöse Züge trägt. Aber der Nationalismus als Ideologie hat keine „heidnischen“ sondern christliche Wurzeln! Und es war die römische Kirche, der Arbeitgeber des Bischofs Ludwig, die dafür sorgte, dass „Gesundheit und Leben“ der Albigenser, der Waldenser, der Katharer, der Arianer, der Bogumilen, der Paulikaner dem Götzen „Katholische Kirche“ geopfert wurden. Wieviele Juden, Heiden und Christen wurden „in den Dreck getreten“, weil man meinte „Mein Glaube ist alles!“ ?
 
Hier hat Europa seine christliche Wurzel verraten. Christlicher Glaube heißt, dass wir uns nur vor dem einen Gott niederwerfen und keine anderen Götter neben ihm haben, auch nicht den Götzen der Nation, also der Selbstvergötterung des Menschen“.
 
Aha! Hier kommen wir zum Pudels Kern. Der Bischof wünscht sich also ein Europa, in dem sich alle Bürger „nur vor dem einen (christlichen? katholischen?) Gott (und seinen Stellvertretern?!) niederwerfen“. Europa ein christlicher Gottesstaat!
 
Das ist es, was die Pfaffen wirklich im Sinn haben, wenn sie über einen „notwendigen Gottesbezug“ in der EU- Verfassung schwadronieren. Was schert da noch negative Religionsfreiheit, Menschenwürde („Selbstvergötterung des Menschen“) und plurale Gesellschaft? Es zählt doch nur eins: „Niederwerfen“ vor „dem einen Gott“. Selten wurde es so klar gesagt!
 
Menschenwürde kommt von Gott, nicht von staatlichen Organisationen
 
Gäbe es keine staatlichen, von kirchlicher Einflussnahme befreiten Organisationen, wie die UN, die UNESCO, laizistische Republiken und Demokratien, so befände sich die Zuständigkeit für die Menschenwürde noch bei den „Göttlichen Stellvertretern“. Und was das im Einzelnen bedeuten würde zeigt die Geschichte sehr eindrucksvoll.
 
„Gott hat jedem einzelnen Menschen das Bild seines eigenen Wesens ins Herz gelegt, so dass jeder Mensch in seiner Würde ein Spiegelbild des unendlichen Gottes ist“, hob Bischof Gerhard Ludwig hervor.
 
Mal davon abgesehen daß vermutlich nicht „Gott“ die Menschen „seinem Bilde“ erschaffen hat, sondern eher umgekehrt - nach seinen „erschaffenen“ Spiegelbildern zu urteilen wäre dieser Gott nicht nur latent kriminell sondern auch ein sadistischer Chauvinist.
 
„Jeder Mensch bekommt von Gott her seinen Wert zubemessen, nicht von Staats wegen oder auf Grund irgendeiner Ideologie.
 
Und da „Gott“ das ja nicht auf direkte und nachvollziehbare Weise tut, sind also hier wieder die Pfaffen zuständig! Und welchen „Wert“ dann jemand besitzt, der sich nicht vor „dem einen Gott niederwirft“ kann sich jeder selber ausmalen.
 
Jeder Mensch trägt seine Menschenwürde in sich selber, und zwar schon vor aller staatlicher Organisation“. Das sei auch die Aussage der modernen Demokratien, im Gegensatz zu den Volksdemokratien, die ‚das Volk’ über den Einzelnen stellten. „Die Grundrechte des Menschen bestehen immer und ursprünglich, und keine Macht der Welt, sei sie staatlich oder gesellschaftlich, hat hierüber das Verfügungsrecht. Unser christlicher Glaube sagt, dass die Anerkennung Gottes die Anerkennung aller als Brüder und Schwestern bedeutet“.
 
Verwechselt der gute Mann da nicht was? Daß die Grundrechte keine beliebige Verfügungsmasse für demokratische Staaten sind heißt doch schließlich noch lange nicht daß sich die Kirchen nicht auch die individuellen Grundrechte zu eigen machen müssten, oder etwa doch?
 
„Unsere Aufgabe als Kirche ist, für andere da zu sein“
 
Nun in Wirklichkeit sieht es anders aus. Die „Anderen“ (Kirchensteuerzahler und Staat) sind für die Kirche da und sie selbst vor allem für sich selbst. Wie sonst wäre es zu erklären, daß nur ca. 8% der Kirchensteuer für soziale und caritative Zwecke verwendet werden, der Staat aber trotzdem für nahezu alle Kosten (einschließlich der Bischofsgehälter) aufkommt, die kirchlicherseits mittelbar anfallen?
 
Selbst in Brandenburg (3% Katholiken) musste ja unbedingt letztes Jahr ein Konkordat mit der dortigen Landesregierung geschlossen werden, um die kirchlichen Pfründe für alle Ewigkeit (eine Kündigungsklausel ist nicht enthalten) festzuschreiben. Vermutlich aufgrund der Gefahr, dass es irgendwann gar keine Katholiken mehr in Brandenburg gibt, hat man wenigstens Geld und Einfluss für alle Ewigkeit gesichert. Wozu braucht die Kirche dann noch „Gläubige“ wenn sie die Macht und das Geld auch so kriegt? Passend dazu die Ausführungen von Bischof Ludwig:
 
..... „Es geht nicht darum, bei den konkurrierenden Weltanschauungen und Parteiungen einen möglichst großen Vorteil für uns herausschlagen. Unsere Aufgabe als Kirche ist, für andere da zu sein. Gott hat die Kirche gestiftet, damit sie Instrument für die Einheit der Menschen und Völker untereinander werde.
 
Wenn jemand noch nicht weiß was Realsatire ist – hier ist ein treffliches Beispiel!
 
Daher müssen wir als katholische, also universale, weltumspannende Kirche in allen Länder Schrittmacher sein auf eine größere Einheit der Menschen untereinander“. Durch ein Zeugnis des gemeinsamen Glaubens könnten die Götzen des Nationalismus und des Totalitarismus überwunden werden.
 
Aha! Statt Einheit in Frieden und Freiheit „Einheit im Glauben“. Welch ein Fortschritt im Rückschritt!
 
... „Dort wo der Mensch sich über den Menschen erhebt, dort wird er seinem Mitmenschen zum Teufel, dort wird der Mensch zum Verbrecher. Aber dort, wo der Mensch in der Gnade Gottes sich voll Liebe auf den Mitmenschen zubewegt, da werden wir zu Dienern der Freude, des Evangeliums. Dann finden wir uns wieder in der Freiheit der Kinder Gottes.
 
Nun, im Gegensatz zur katholischen Lehrmeinung, die von der Existenz eines real existierenden Teufels ausgeht, glaubt der Bischof hier offenbar, dem Volksglauben entsprechend, den Teufel in den höheren Rängen des Vatikan zu finden, da ja dort der „Mensch sich über den Menschen“ zum „Stellvertreter Gottes“ erhebt.
 
Also lieber ein „Erwachsener Gottloser“ als ein „Kind Gottes“.
 
Auch der Atheismus wird überwunden werden
 
Ja, jetzt kommt es nochmals knüppeldick!
 
Bischof Gerhard Ludwig rief alle Gläubigen auf, sich nicht einschüchtern zu lassen vor angeblich nicht mehr rückgängig zu machenden historischen Entwicklungen. „Wir können uns noch erinnern, wie es in Zeiten des Kalten Krieges Spitz auf Knopf stand, wie die Menschheit kurz davor gestanden hat, sich in einem atomaren Krieg selbst auszulöschen. Keiner hat es damals gewagt zu sagen: Der Kommunismus wird einmal zusammenbrechen, der Eiserne Vorhang wird nur noch eine traurige Episode in der Geschichte sein“. Auf einmal aber sei alles vorbei gewesen. Bischof Gerhard Ludwig zitierte Michail Gorbatschow, der den entscheidende Beitrag des Papstes bei der Überwindung des Kommunismus erklärt hatte. „Der Papst hat sein Vertrauen ganz auf Gott und Maria gesetzt hat. Es war das Gebet der ganzen Kirche, dass Gott die furchtbare Bedrohung durch den Kommunismus wegnehme.
 
Mal davon abgesehen, daß Gorbatschow, den Kommunismus als Gesellschaftsystem ja nicht abschaffen, sondern nur reformieren wollte, ist es doch bemerkenswert, daß ausgerechnet ein „Atheist“ als Kronzeuge nun dafür herhalten soll, daß der anachronistisch anmutende „Marienkult“ des polnischen Petrusstabträgers nunmehr den Niedergang des „real existierenden Sozialismus“ Stalinscher Prägung ausgelöst haben soll.
 
Und heute, am 1. Mai, am Tag der Gottesmutter, sehen wir, welche Macht Gott hat. Keine menschliche Macht kann den Heilsplan Gottes aufhalten, wenn wir uns ihm nur anvertrauen“.
 
Daß der 1. Mai der Tag der Gottesmutter sein soll ist mir neu. Im katholischen Kalender ist er der „Heiligen Walpurga“, einer angelsächsischen Benediktinernonne geweiht, die all die braven Christenmenschen vor den in der Nacht auf Reisigbesen herumschwirrenden bösen Hexen schützen soll.
 
Gleichfalls neu – aber recht unwahrscheinlich erscheint mir, daß auch die EU – Erweiterung ein Teil des „göttlichen Heilsplans“ sein soll. Aber wer weiß – vielleicht glaubt das der gute Bischof wirklich.
 
Auch der Atheismus werde eines Tages überwunden sein. Diese Lebenshaltung sei eine innere Verdiesseitigung des Menschen, eine Säkularisierung des Geistes und der Herzen, eine Stumpfheit gegenüber dem Wort Gottes.
 
Hier ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nachdem in Deutschland nur noch zwei Drittel der Menschen Mitglied in einer christlichen Kirche sind - mit abnehmender Tendenz - und auch ein beachtlicher Teil der Kirchensteuerzahler gar nicht an „den einen Gott“ glauben, so dürfte wohl eher das Gegenteil eintreten. Der Theismus - nicht der Atheismus - wird eines Tages überwunden sein! Aber hedonistisches Gedankengut sind nun mal nicht die Sache des Bischofs, der sich doch auf eine Führungsposition auch im Jenseits Hoffnung macht.
 
„Doch, und davon bin ich fest überzeugt, es wird wieder auf beiden Seiten der Grenze, die uns nun miteinander verbindet, lebendige Pfarrgemeinden und Diözesen geben. Auch Ehe und Familie werden wieder als das entscheidende Ideal für ein gelingendes Zusammenleben, für ein Gelingen der Zukunft hoch geschätzt werden“.
 
Bischof Ludwig: „I have a dream!“
 
Zum Schluss rief Bischof Gerhard Ludwig die Gläubigen auf, den Weg zu gehen, den die Mutter Gottes gewiesen habe. „Maria hat den Jüngern bei der Hochzeit von Kanaa gesagt: Was Jesus Euch sagt, das tut. Das gilt auch für uns, die Jünger Jesu heute. Wenn wir ihm folgen, gehen wir den Weg des Heiles. Dann kann keine menschliche Macht sich dem entgegen stellen.
 
Wenn ich richtig informiert bin ging es bei der Hochzeit von Kanaa darum, daß der Wein ausging und Jesus auf wundersame Weise für Nachschub gesorgt haben soll. Vielleicht wäre das wirklich der einzige Ausweg aus dem christlichen Erlöserdilemma! Für Nachschub an Wein sorgen. Dann könnte der Bischof in seinem von der bayrischen Landesregierung voll finanzierten Domizil ohne materielle Sorgen bis an sein Lebensende von wundersamer Weinvermehrung und „sich vor dem einen Gott niederwerfenden“ Atheisten und Heiden träumen.
 
Gott ist und bleibt der Herr der Geschichte.
 
„Gott“ ist und war nie Herr der Geschichte. Geschichte wird und wurde immer von Menschen gemacht und geschrieben. Und „Gott“ kann froh sein, wenn er in dreihundert Jahren wenigstens noch als Fußnote in den dann zu schreibenden Geschichtsbüchern vorkommt.
(pt.2004)


Rituale statt Gottesdienst?

Mondfeste statt Eucharistie? Coven statt Bibelkreis? Und Jahreskreisfeste mitten in der katholischen Kirche? Eine Utopie? Mitnichten!


Vor nicht allzu langer Zeit erklärte schon der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Lehmann: „Es gibt manchmal Züge eines nachchristlichen Neuheidentums“, wie man es sich früher nicht habe vorstellen können. (1) Weiter, so Lehmann: Es sei notwendig, die „elementare missionarische Dimension des christlichen Glaubens“ neu (!) zu entdecken. Amtsträger und Laien müssten sich daran beteiligen.
 
Nun haben ganz fortschrittliche leitende MitarbeiterInnen der katholischen Kirche sich das sofort zu Herzen genommen. Im österreichischen Linz, so konnte man auf den Seiten der katholischen Nachrichtenagentur kath.-net lesen, kündigte die ehemalige Frauenbeauftragte der Diözese Linz, Irmgard Lehner, im Pfarrblatt einige „neuheidnische“ Rituale für 2005 an. Im Februar soll es ein „Lichtritual rund um Maria“ geben, im Mai ein „Feuerritual rund um Maria Maienkönigin“, am 4. August ein “Erdenritual rund um Maria Himmelfahrt“ und am 3. November ein „Wasserritual rund um Allerheiligen/Allerseelen“. Im Begleittext heißt es: „Im ersten Jahr werden sich die Frauenliturgien an den Mondfesten orientieren – an denen sich ja traditionell auch viele Marienfeste ausrichten.“ (2)
 
Ist es nun reiner Zufall, dass die Rituale zeitnah zu den vier heidnischen Jahreszeitenfesten (Imbolc 2. Februar, Beltane 1. Mai, Lugnasadh 1. August und Samhain 1. November) und in Anlehnung an die vier Elemente (Feuer, Erde, Wasser, Luft) stattfinden sollen? Vielleicht sollte man es als Heide mal wieder erwägen einen katholischen Gottesdienst zu besuchen. Von der Marienverehrung zur Anbetung der „Großen Göttin“ ist es eben nur ein kleiner Schritt vorwärts zu den Wurzeln derselben.
 
Nun, dass die katholische Kirche nicht innovativ sei, kann man also wirklich nicht mehr behaupten. Nachdem vielerorts (verstärkt auch in der Schweiz) anstelle von zölibatären Priestern nunmehr GemeindeleiterInnen mit ihren Familien wie selbstverständlich in den Pfarrhäusern wohnen, die unbenutzten Beichtstühle als Besenkammer verwendet werden und der Olivenbaum das Kreuz ersetzt (wie geschehen in der Pfarre St. Franziskus, Wels- Österreich), so ist der Tag wohl nicht mehr fern, wenn ehemalige heidnische Kultplätze wieder ihrem ursprünglichen Zweck zurückgegeben werden, ohne dass man vorher die darauf stehende Kirche abreissen müsste. Für die beamteten Priester, die ihre magischen Kräfte (neben gelegentlichem Exorzismus) bisher hauptsächlich darauf beschränken mussten, fortwährend Weizenmehloblaten mittels geeigneter Zaubersprüche in Fleisch des milliardenfach replizierten Leib Jesu zu verwandeln, böten sich völlig neue Perspektiven und statt langweiliger Bibel- und Bastel- Abende für Frauen gäbe es „Magie für AnfängerInnen“. Kommunion und Taufen würden ersetzt durch emanzipatorische Initiationsweihen und ekklektische Rituale.
 
Wie meinte doch Kardinal Lehmann so schön: „Diskussionen über einen fehlenden Wertekonsens in Politik und Gesellschaft hätten ihre Ursache im Schwund einer gemeinsamen kulturellen Überzeugung“ (1)
 
Nachdem die katholische Kirche in unseren Breitengraden eintausendfünfhundert Jahre daran gearbeitet hat, die gemeinsame kulturelle Überzeugung unserer Ahnen vergessen zu machen, kommt nun diese Rückbesinnung zwar spät, aber doch nicht zu spät. Dann werden wir uns wehmütig zurückerinnern an die alte Zeit als wir heimlich unsere ersten Rituale im Verborgenen feiern mussten, immer auf der Hut vor den die Brandschutzverordnungen durchsetzenden Ordnungshütern. (pt.2005)
 
 
Quellenhinweise:
 
1. http://www.zentralrat.de/?site=articles&archive=newsnational&article_number=2112
 
2. http://www.kath.net/detail.php?id=9596


.....so wahr mir Gott helfe!


Im Herbst 2002, 25 Jahre nach dem „Deutschen Herbst“ schwor Bundeskanzler Gerhard Schröder zum zweiten Mal den Amtseid, dass er „Schaden vom deutschen Volk abwenden“ würde... usw. und das wohlgemerkt ohne die religiöse Zusatzformel „...so wahr mir Gott helfe.“ Was schließen wir daraus? Dass Schröder sein Amt ohne die Inanspruchnahme göttlicher Hilfe durch den monotheistischen christlich-jüdisch-islamischen Macho-Gott auszuüben gedenkt? Ist er Atheist? Ist er Heide? Was hätte wohl das auflagenstärkste Boulevardblatt geschrieben wenn er oder einer seiner Minister den Eid mit dem Zusatz geschworen hätte ...so wahr mir die „Göttin“ hilft oder ... so wahr mir die „Götter“ helfen?
 
Nein, so weit sind wir noch nicht. Schließlich wird Schröder beim nächsten Kirchentag auch seine Propagandalügen unter die Gläubigen bringen, bei der nächstbesten Bischofsweihe in der ersten Reihe sitzen, und dem „Heiligen Vater“ in Rom seine medieninszenierte Aufwartung machen wollen. Schließlich sorgen die beiden großen Kirchen doch dafür, dass die Gläubigenschar brav der weltlichen Obrigkeit untertan ist, die Wahllügen gleichmütig hinnimmt, also auch noch „die andere Backe hinhält“, und sich der Unmut über den staatlichen Zugriff auf die Geldschatullen der Bürger in Grenzen hält. Und falls die Aufmüpfigen unter dem Volk schon unbedingt demonstrieren wollen, dann bitteschön „friedlich“ und möglichst für „den Frieden“, und nur wenn der DGB auch mitmacht.
 
Dafür dürfen die staatlich entlohnten purpur- und schwarzgewandeten Würdenträger in der Besoldungsgruppe B12 (Ministergehalt) dann auch bei allen offiziellen Anlässen protokollarisch in der ersten Reihe sitzen, wo sie dann mit gefalteten Händen und virtuellem Heiligenschein in die Fernsehkameras grinsen. Staatlich besoldete Finanzbeamten treiben für sie die kirchlichen Zwangsabgaben bei den Gläubigen oder deren Ehepartnern ein. Zweistellige Milliardenbeträge aus dem allgemeinen Steuertopf kommen jährlich noch hinzu, ungeachtet von Haushaltslöchern und Einsparungen im Sozialbereich. Und sollte mal das Kirchendach repariert werden müssen und der Klingelbeutel reicht nicht aus, bezahlt die Kommune eben mal den Rest. Schließlich gehen auch die Gemeinderäte wenigstens zu Konfirmationen, Taufen oder Hochzeiten zur Kirche.
 
Dass wir heute von der im Grundgesetz vorgeschriebenen Trennung von Kirche und Staat (Thron und Altar) weiter denn je entfernt sind, steht im eklatanten Widerspruch zu der Tatsache, dass mehr Bürger denn je zuvor den Kirchen den Rücken gekehrt haben und nur wenige der verbliebenen Kirchensteuerzahler sich als aktive oder gläubige Christen bezeichnen mögen. Der scheinbare Widerspruch ist in Wirklichkeit gar keiner. Die Macht der institutionellen Kirchen ergibt sich nicht aus der Menge ihrer Anhänger oder deren Aktivität. Die Macht der Kirchen ergibt sich aus ihrem besonderen Status als „Körperschaft öffentlichen Rechts“ (K.d.ö.R.) und der daraus abgeleiteten Ansprüche. Dieser anachronistische und längst überfällige Status verhilft den Großkirchen zu staatlich finanziertem Wohlstand, zu Mitsprache in Rundfunk-Aufsichtsräten, zu frühkindlicher religiöser Indoktrination in Kindergärten und Schulen, zu staatlich finanzierten theologischen Fakultäten, zu Steuerfreiheit für kirchliches Eigentum, Befreiung von der Kapitalertragssteuer usw..
 
Die den Kirchen unterstellte Gemeinnützigkeit ist, da die Leistungen der Kirchen ja nicht allen Bürgern zugute kommen, schlichtweg ein Treppenwitz der Geschichte. Als Relikt des „Dritten Reiches“ wurde das Konkordat des „Deutschen Reiches“ mit dem Vatikan, das der Erzkatholik von Papen in Hitlers Auftrag mit dem päpstlichen Nuntius und späteren Papst Pius XII, Pacelli aushandelte, vom Katholik Adenauer unverändert für die „Bundesrepublik Deutschland“ übernommen. Dass die evangelischen Landeskirchen (und der Zentralrat der Juden in Deutschland) da nicht zurückstehen mochten, war ausgemachte Sache. Kein Wunder, dass nun auch kleinere Kirchen und Religionsgemeinschaften dafür kämpfen, ebenfalls diesen begehrten Status (K.d.ö.R.) zu erhalten um an die begehrten „Fleischtöpfe“ zu gelangen um ihren Teil vom Kuchen abzubekommen.
 
Dieser verfassungsrechtlich zumindest bedenkliche Status (K.d.ö.R.) der Kirchen führt zu der absurden Situation, dass die Kirchen eigentlich gar keine Mitglieder bräuchten um ihre Macht zu sichern, ja sie könnten völlig ohne Mitglieder, ohne Pfarrer, ohne Kirchengebäude usw. ihren Machtanspruch und den damit verbundenen Geldsegen weiterhin geltend machen.
 
Nichts, nicht mal den „Teufel“, fürchten die Pfaffen daher mehr als die Reduzierung der Kirchen zu reinen Glaubensgemeinschaften. Nun beten, predigen und Messe lesen könnten sie trotzdem, oder nicht? Pfaffen mögen nun mal keine Sektenführer, nicht mal in sich selbst. Oder können Sie sich vorstellen wie ein Kardinal Lehmann, statt mahnend den Zeigefinger in die Fernsehkameras zu halten, mit einer Agitationstruppe übers Land zieht um das „Evangelium“ zu verkünden?
 
Wie hält es also unser angeblich säkularer Staat mit der im Grundgesetz verankerten Trennung von Kirche und Staat? Verhält er sich neutral? Nein! Beispiele gefällig?
 
     Neben unzähligen bereits existierender Gedenkstätten wurde nun in Berlin die „zentrale Holocaust- Gedenkstätte“ in Betrieb genommen. Diese erinnert ausschließlich an die im nationalsozialistischen Deutschland vernichteten Juden. Sie erinnert nicht an andere Opfer der NS- Diktatur. Sie erinnert auch nicht an die Juden, die christlich motivierten Pogromen zum Opfer fielen.

     Im Zuge der Wiedervereinigung wurden alle in der Nachkriegszeit enteigneten Kirchen, Pfarrhäuser, Klöster und sonstiger kirchlicher Grundbesitz zurückübereignet. Aber kein einziger der im Zuge der Zwangschristianisierung beschlagnahmten heidnischen Heiligtümer und „Haine“ wurde je wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Was würde es denn schon ausmachen, ein paar wertlose „Michaeliskapellen“, die meist auf diesen Plätzen stehen, abzureißen oder zu sprengen. Kirchen gibt es dann immer noch weit mehr als genug.

     In manchen Bundesländern werden Schülern, die dem Religionsunterricht fernbleiben, Ethikunterricht erteilt. Diese wird von Religionslehrern erteilt um den Schülern die abendländisch- christliche Ethik zu vermitteln. Diese Diskriminierung nichtchristlicher Schüler als ethisch nachhilfebedürftig ist angesichts der historischen Gräueltaten im Namen Gottes und politischer Unterstützung faschistischer Diktatoren sowie waffensegnenden Militärgeistlichen wohl nicht hinnehmbar.

     Halbstaatliche und kirchliche Sektenexperten warnen in harmonischer Eintracht vor angeblicher Gefährdung Jugendlicher durch Sekten, „New- Age“- Kulte und Esoterik. Keiner dieser „Fachleute“ hat je vor „Opus Dei“ oder „charismatischen Christen“ gewarnt, obwohl das Gefährdungspotential mindestens vergleichbar groß sein dürfte.

 
Ich fordere daher:
 
     Abschaffung des Status „ Körperschaft des öffentlichen Rechts“

     Kein dogmatischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen

     Beendigung der staatlichen Alimentierung von Glaubensgemeinschaften

     Schluss mit kirchlichen Steuerprivilegien

     Kein Kirchensteuereinzug durch staatliche Organe

     Gleichbehandlung aller Glaubensgemeinschaften (und aller Nichtgläubiger) durch den Staat

     Regelmäßige Überprüfung aller Glaubensgemeinschaften auf verfassungsfeindliche Aktivitäten

     Rückgabe aller unrechtmäßig angeeigneter Besitztümer der Kirchen und kirchlicher Einrichtungen
(Pt 2003)
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