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Eine entzückende und realistische Weihnachtsprosa 2009
Es ist heilig Abend, Weihnachtsvormittag, alle sind gereizt. Meine Oma muss noch eine Weihnachtstorte backen, obwohl sie dazu gar keine Lust hat, mein Großvater hat noch im letzten Augenblick einen Baum gebracht, den mein Onkel auf das Grab seiner Großeltern bringen soll, dafür ist aber nicht recht Zeit, meine Mama, regt sich auf weil der Weihnachtsbaum nicht in die Halterung geht und überhaupt hat der Großvater wieder einen Baum gebracht durch den man ihrer Meinung nach durchspucken kann. Am Ende ist es so, dass sich alle anschreien. Ich stehe mitten in diesem Chaos und beschließe einen Spaziergang zu machen. Ein kleines, stilles Mädchen, von niemandem vermisst. Es ist nicht mal jemandem aufgefallen, dass ich den Raum verlassen habe. Lange schon habe ich gelernt auf mich selber aufzupassen. Als ich noch ganz klein war, hat meine Oma immer einen Spaziergang mit mir gemacht und mir erzählt, dass sich die Himmelspforte an Heilig Abend öffnet, wenn das Christkind ausfliegt und ich hab immer ganz angestrengt gelauscht ob ich die Musik der Fanfaren hören kann. Aber jetzt bin ich ja schon ein großes Mädchen, Zeit erwachsen zu werden. Eine Träne fließt über meine Wange, ich vermisse die Geborgenheit von früher. Ich besuche meine Tiere und erzähle ihnen davon wie weh es tut unsichtbar zu sein, das Gefühl zu haben, dass da keiner auf der Welt ist der einen lieb hat. Hab Karotten mitgebracht, ganz besondere Leckerbissen. Weihnachten soll ja schließlich für alle ein ganz besonderer Tag sein, auch für meine Viehcherln. Ich stelle mir vor, wie es wäre um Mitternacht in den Stall gehen zu dürfen um sie nur einmal sprechen zu hören, aber dafür war ich nun wieder nicht groß genug. Auf einem Heuballen sitzend beschließe ich es einmal anders zu machen, wenn ich erwachsen bin. Es sollte stiller, liebevoller, andächtiger sein, ohne Stress und ohne Hektik. |