Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde
Aktuelles


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Gemeinsame Forderungen zu LER - von Fachverband LER und GEW 2011
 
1. In allen Schulen des Landes Brandenburg muss das Unterrichtsfach LER als ein Regelangebot für alle Schülerinnen und Schüler sichergestellt werden. Es ist zu einem durchgängigen Unterrichtsfach mit zwei  Unterrichtsstunden in der Woche  weiter zu entwickeln.

2. Der Fachunterricht in LER ist von Lehrkräften zu unterrichten, die über die Lehrbefähigung für das Unterrichtsfach LER verfügen. Die Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung LER sind im Unterrichtsfach einzusetzen. Dies ist durch die Schulaufsicht zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Der fachfremde Einsatz von Lehrkräften muss die absolute Ausnahme darstellen. Lehrkräfte, die dauerhaft in LER eingesetzt werden und über keine Lehrbefähigung verfügen, müssen ein Angebot zur berufs-begleitenden Weiterbildung erhalten. Zur Unterstützung der Qualifizierung sind den Lehrkräften Anrechnungsstunden zu gewähren.

3. Der Einsatz der Lehrkräfte im Unterrichtsfach muss durch eine hohe Kontinuität gekennzeichnet sein. Nur so ist gewährleistet, dass die notwendigen Voraussetzungen für ein gelingendes  Gestalten der Lernprozesse im Unterrichtsfach  dauerhaft sichergestellt werden. Diese Voraussetzung gilt für alle anderen Unterrichtsfächer.

4. Die Ausbildung von Lehrkräften für das Unterrichtsfach LER an der Universität Potsdam ist bedarfsdeckend für alle Schulstufen auszubauen. Bei der Einstellung von jungen Lehrkräften ist sicherzustellen, dass die Erteilung des Unterrichtes in LER zukünftig durch Lehrkräfte mit der entsprechenden Lehrbefähigung erfolgen kann und muss.

5. Auch im Fach LER– wie in allen anderen Unterrichtsfächern –  ist es notwendig, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Lerngruppen deutlich reduziert wird und Möglichkeiten der Teilung von Klassen verbindlich festgeschrieben werden.

6. Das Unterrichtsfach LER ist als ein Unterrichtsfach auch für die gymnasiale Oberstufe weiterzu-entwickeln und es ist eine entsprechende Konzeption zur Umsetzung und Einführung zu erarbeiten.

(Potsdam, 22. September 2011, auf der gemeinsamen Tagung  von Fachverband LER und GEW "20 Jahre LER  - eine Reflexion in Verantwortung")

 
 


Anhörung im Bildungsausschuss des Landtags von Brandenburg zur Entwicklung von LER
(Peter Kriesel, stellv. Vorsitzender, am 24.5 2012 für den Fachverband LER, im ABJS – 30. Sitzung)
 
 

  1. Keine positive Veränderungen bei LER trotz zwei großer Potenziale
     
Keine Entwicklung trotz Potenzialen unter den ausgebildeten LER-Lehrkräften
- mit über 100 nicht im LER-Unterricht eingesetzten LER-Lehrkräften, 
- ca. 200 LER-Lehrkräften, die nur mit 1-5 Stunden in LER eingesetzt sind,
- ca. 300 LER-Lehrkräften, die unter 100% Beschäftigungsumfang eingesetzt sind.
Aus den Schulen erreichen uns Angaben, dass ca. 40% bis 50 % des LER-Unterrichts von fachfremden Lehrkräften erteilt wird.

Keine positive Entwicklung trotz vieler Absolventen der LER-Studiengänge   
Die Zahlen dazu liegen durch den Vertreter der Universität Potsdam heute vor.
Von 2007 bis 2012 wurden bisher 25 Lehrkräfte mit dem LER-Studium eingestellt. Das sind 5 pro Jahr. Das reicht nicht, schon weil die bisher ausgebildeten LER-Lehrkräfte nicht jünger werden, von Entwicklungsfortschritten ganz zu schweigen. .
 
  1. Wege aus dem Qualifizierungsmangel im LER-Unterricht
     
Den Absolventen des LER-Studienganges eine faire Perspektive
„Die Jugend ist unsere Zukunft“ - auch im Fach LER.
Ohne die Einstellung von jungen Absolventen wird LER auf Verschleiß gefahren.
Deswegen:
  • Referendariatsplätze erhöhen, den Schulen dafür Anreize schaffen
  • Festeinstellungen von Absolventen des Referendariats erhöhen
 
Für unausgebildete Lehrkräfte eine LER-Fortbildung (100 Stunden) etablieren
„Keine Bildungsstandards ohne die Standards einer fachgerechten Qualifizierung.“
Ohne qualifizierte Fachlehrerschaft wird LER zum Laberfach degradiert. Die Schüler in Brandenburg und ihre Steuern zahlenden Eltern haben ein Recht auf einen qualifizierten LER-Unterricht, wie übrigens in allen anderen Fächern auch.
Ein Modell für eine Minimalfortbildung liegt vor- in Absprache mit der GEW.
Deswegen:
  • Eine Minimalfortbildung für unausgebildete LER-Lehrkräfte etablieren
Das Konzept der Minimalfortbildung von Fachverband LER Und GEW (s.o.) wurde hier ausgeteilt. 

Das Fach LER ausbauen
Die Schüler haben einen ethischen Lernbedarf, der nicht durch andere Fächer abzudecken ist. Der Wissenschaftliche Beirat von LER hatte seinerzeit für die 5./6. Klasse ein Dreistundenfach vorgeschlagen, aus Gründen der moralpsychologischen Entwicklungsphase in diesem Alter. Wir schlagen hier ein Zweistundenfach vor.
Dafür wird eine Schwerpunktstunde oder eine 3. Sportstunde in diesen Klassenstufen für LER verwendet. Der Ganztagsunterricht in der Grundschule bietet ausreichend Möglichkeit für mehr sportliche Aktivitäten.
In Brandenburg haben Schüler der Sekundarastufe II ebenso einen Anspruch auf ein Fach, in dem systematisch Fragen der Lebensgestaltung, der Ethik sowie von Religionskunde erarbeitet werden, wie auch die Schüler in anderen Bundesländern, wo Ethik von der 1.-12. Klasse zweistündig erteilt wird. Als Beispiele dafür seien genannt:
 
Länder Hessen Thüringen Sachsen-Anhalt Bayern
Klassenstufen 1 - 12 1 - 12 1 - 12 1 - 12
Wochenstunden 2 2 2 2

Deswegen:
  • LER in der 5./6. Klasse zum zweistündigen Fach ausbauen
  • LER langfristig auch in der Sek. II einführen
 
  1. Falsche Wege der Problembehebung
    1. Ein Billiglohnsektor für Absolventen ohne Referendariat ist keine Lösung
    2. Keine Übernahme von LER-Unterricht durch Religionspädagogen  
Von einigen wenigen Schulen wird neuerdings berichtet, dass Religionspädagogen im LER-Unterricht eingesetzt werden. Der Fachverband ist aus folgenden Gründen dagegen:
  1. Die Pädagogen werden im Religionsunterricht nur eingesetzt, wenn sie von ihrem Bischof eine vocatio (Berufung, evangelisch) oder eine missio canonica (missionarische Sendung, katholisch) erteil bekommen haben. Die dafür nötige gläubige Grundeinstellung werden sie nicht ablegen können, um einen religiös-weltanschaulich neutralen LER-Unterricht zu erteilen. – In der Regel ist aus juristischen Gründen Religionspädagogen der gleichzeitige Einsatz im Ethikunterricht in Altbundesländern untersagt.
  2. Der Gegenstand des Religionsunterrichts ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 1987 klar als Bekenntnis bestimmt: „Er ist keine überkonfessionelle vergleichende Betrachtung religiöser Lehren, nicht bloße Morallehre, Sittenunterricht, historisierende und relativierende Religionskunde, Religions- oder Bibelgeschichte. Sein Gegenstand ist vielmehr der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln ist seine Aufgabe.“[1]
  3. Die eindeutige Gegnerschaft beider Kirchen seit 20 Jahren gegen LER  verleiht dem Vorhaben, LER von Religionspädagogen erteilen zu lassen, zusätzlich einen Charakter, der in der Wirtschaft eindeutig als „feindliche Übernahme“ bezeichnet werden würde.
Wenn das MBJS hier anderer Meinung sein sollte und weiter duldet, dass Religionspädagogen gleichzeitig LER-Unterricht erteilen, dann sollte vom MBJS klar gesehen und gesagt werden, dass dann auch Lehrkräfte, die Lebenskunde unterrichten, ebenso LER unterrichten dürfen.
 

 
  1. Klare Entscheidungen für Verbesserungen in Fach LER und Kontrollen ihrer Einhaltung
Wir brauchen klare Entscheidungen in Richtung von Verbesserungen im Fach.
Es sind klare Weisungen und Kontrollen zu ihrer Einhaltung nötig.
Weiterhin empfiehlt der Fachverband regelmäßige Analysen zum Einsatz von LER-Lehrkräften im Unterricht, zur Einstellung von Absolventen und  Referendaren sowie zum Ausmaß von Vertretungsstunden und Stundenausfall in LER.
 

 
Es zeugt schlicht von Unkenntnis, fördert Dilettantismus im Fach und schadet dem Ansehen von L-E-R, wenn Schulleiter den Einsatz der  Lehrkräfte nach dem Motto planen:
„L-E-R - das kann doch jeder.“
 
Auch das Schönreden des Einsatzes von Lehrkräften „affiner Fächer“ hilft nicht.
Es behindert die Entwicklung von LER hin zu einem qualifiziert unterrichteten Fach in allen Schulformen und Klassen.
 
Es gibt eine Menge Potentiale – nutzen wir sie!
 
[1] BVerfGE Bd. 74, S. 244f; zitiert aus: Die deutschen Bischöfe: Die bildende Kraft des Religionsunterrichts. Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichts; Bonn 1996, S. 68