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Grußwort des Fachverbands LER zum Festakt „10 Jahre LER“ als grundständiges Studium an der Universität Potsdam
 
Der Fachverband LER gratuliert dem Institut LER sowie allen Studenten und Absolventen des Lehramtsstudienganges zum 10-järigen Jubiläum.

Ein altes Sprichwort sagt: „Der Erfolg hat viele Väter“ und Mütter. Viele von ihnen können Sie heute hier sehen - viele sind ungenannt mit uns verbunden.
Als der Modellversuch LER 1992 an 45 Schulen mit 90 Lehrerinnen und Lehrern begann und am Ende von 6.000 Schülern besucht wurde, musste alles neu entwickelt und erprobt werden: Konzept, Rahmenlehrplan, Weiterbildung und Materialien für den Unterricht – und das bei dauernder politischer und medialer Kontroverse.
Das war ein Drahtseilakt von allen Beteiligten. Eine Grafik vom LER-Lehrer Vardaru aus Jüterbog mit dem Titel „Aufwärts“,  bringt das gelungen zum Ausdruck: Da geht ein Seiltänzer schräg nach oben. Er schenkte sie den Leitern des Modellversuchs. Verdient haben sie aber alle Akteure und besonders die LER-Lehrkräfte damals, die Entscheidendes für die Akzeptanz von LER und die Verankerung im Schulgesetz 1996 geleistet haben.
Im Weiterbildungsverein wbl. e.V. wurden dann ab 1996 über 700 Lehrkräfte berufsbegleitend für LER ausgebildet. Davon zehrt heute noch das Fach LER im Land. Viele von den Studenten und Absolventen hier im Saal verdanken wahrscheinlich ihnen bzw. den Modellversuchslehrern die Motivation zum LER-Studium.
2003 begann dann das grundständige Studium hier an der Universität. Die  professionelle Arbeit des Lehrkörpers setzte neue Maßstäbe und führte zu ständig steigenden Bewerbungen. So erhielt das Lehramtsstudium LER den Status eines eigenen „Instituts LER“.
Diese Anerkennung warf ein besonderes Licht auf das LER-Studium. Dieses Licht hat ein Foto aus der letzten Woche aufgenommen. Da ist aber auch ein Schatten zu sehen. Der könnte einige offene Fragen bezüglich der Gegenwart und Zukunft von LER symbolisieren, die als neue Herausforderungen vor uns allen stehen. Es geht um folgende Problemlage.
 
  1. Ab 2007 wird LER nur noch zu 50% von Fachlehrkräften für LER unterrichtet. Es fehlen heute ca. 600 ausgebildete LER-Lehrer an den Schulen.
  2. Von 2007-2012 wurden 25 LER-Absolventen eingestellt, also pro Jahr 5. Bei Beibehaltung dieses Tempos werden nach Adam Riese die 600 heute bereits fehlenden LER-Lehrkräfte in etwa 120 Jahren (!) an den Schulen Brandenburgs angekommen sein.
Das ist ein Desaster für das Fach LER und ein bildungspolitischer Skandal.
Sie, die Studenten und Absolventen von LER sind mehr wert, als dass man ihnen nach 12 Jahren fleißigen Lernens und fünf Jahren intensiven Studiums sagt. „April, April. Wir haben keine Verwendung für Sie. Hinweg mit Euch - auf die Arbeitslosenmüllhalde der Gesellschaft!“
So kann Brandenburg nicht mit seinen besten Jugendlichen umgehen, die Ihre Schulzeit nicht verpennt und versoffen haben, sondern: Jeder von Ihnen hat  aus den Geldern Brandenburger Steuerzahler und aus sich selbst das Beste für das Land gemacht: Nämlich ein hochqualifiziertes „Humankapital“.
Ich glaube: Wir müssen diesen Skandal gemeinsam in die Öffentlichkeit tragen, der Fachverband und das Institut LER und-  Sie als Studenten und Absolventen.  Sie können mit Recht und Stolz den Bildungspolitkern im Land sagen:
 „Wir sind mehr wert. – Wir sind für die Schulen Brandenburgs ein Gewinn.“     

 Wir vom Fachverband LER sind stolz auf Sie. Und wir werden Sie bei der notwendigen Öffentlichkeitsarbeit nach besten Kräften unterstützen.
Der Fachverband LER wünscht Ihnen und allen Gästen eine schöne Feier, persönliches Glück und weitere Erfolge – für sich selbst - und für das Land Brandenburg.  
Vielen Dank
Peter Kriesel
(stellv. Vorsitzender)
 
Übergabe des erwähnten Fotos vom Institut LER an Herrn  Prof. Hafner, Direktor des Instituts LER, Universität Potsdam.
Übergabe des Fotos von der Demo der GEW in Potsdam mit dem Plakat „Wir sind mehr wert!“ an die Studentin Frau Teresa Picker, Fachschaftsrat LER.
   
 
„Jubiläum 10 Jahre LER“ an der Universität Potsdam
 
Die Festveranstaltung zur 10-Jahres-Feier des grundständigen Lehramtsstudienganges LER stand am Ende einer wissenschaftlichen Tagung zum Thema „Warum Religion?“. Zwei Tage lang referierten Experten und diskutierten mit einer großen Hörerschaft von Wissenschaftlern, Studenten und  Lehrern.
Die bundesweit geladenen Referenten aus Philosophie, Religions- und Sozialwissenschaft sowie Didaktik beleuchteten das Thema aus ihren jeweiligen Fachdisziplinen und vermittelten interessante Denkanstöße zu Fragen wie Sinnsuche in Zeiten der Individualisierung, hilft Religion bei der Bewältigung von Stress und Krisen, religiöse Evidenz gegenüber Zweifeln und Religionskritik, Religion und Moral als Szenen einer zerstrittenen Ehe. Mit dem hochaktuellen Thema „Sakralisierung und Entsakralisierung – politische Herrschaft und religiöse Interpretation“ krönte der Hauptvortrag von Hans Joas die interdisziplinäre Veranstaltung.  Diese Jubiläumstagung gab neue Impulse für den LER- und auch Ethikunterricht sowie für die wissenschaftliche Forschung.
Nach zwei Tagen geistig anspruchsvoller Arbeit feierte das Institut LER sein Jubiläum nicht weit vom neuen Palais mit Gratulationen und einem Festvortrag von Minister a.D. Reiche zur Bedeutung des Faches LER für die Bildung in Brandenburg. Die musikalische Umrahmung wurde gestaltet von einer kreativen und begeisternden Gruppe von LER-Studenten. 
Die wissenschaftlich Tagung und das Fest des „Instituts LER“ bestätigten einmal mehr: Der Campus am Neuen  Palais hat mehr zu bieten als nur Schlösser und Gärten.

 Peter Kriesel, Fachverband LER

Veröffentlicht in: E&W plus. Mitgliedermagazin der GEW Brandenburg; 12/2013, S. 12