Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde
 
Antwort des MBJS auf die Kleine Anfrage zu LER 2013 - der Abgeordneten Gerit Große, Fraktion DIE LINKE

Im Dezember errreichte den Vorstand die Antwort des MBJS auf die Kleine Anfrage aus dem Landtag zur Entwicklung von LER von 2009 bis 2013. Die Zahlen und Daten über die letzten vier Jahre sind für LER ernüchternd. Obwohl Vertreter des Fachverbands und des Instituts LER an der Potsdamer Universität 2010 und 2012 im Bildungsausschuss auf eine erhebliche Zunahme von fachfremd erteiltem LER-Unterricht hingewiesen hatten. Auch zeigten die "Gemeinsamen Forderungen" (siehe unten) von GEW und Fachverband keine Wirkung.

Die Hauptaussage des MBJS in seiner Antwort ist:
"Die Landesregierung sieht keinen Grund zur Sorge" in Bezug auf die Entwicklung des Faches LER.

Das verwundert angesichts der mitgeteilten Daten:  
  • LER wird inzwischen an den Schulen zu 50% von fachfremden Lehrkräften unterrichtet.
  • Von 2007 bis 2013 wurden nur 29 LER-Absolventen eingestellt, also pro Jahr 4 - davon einige befristet oder als Teilzeitkräfte.
  • Der Bedarf an Neueinstellungen liegt jedoch gegenwärtig bei ca. 340 LER-Lehrkräften, wie aus den Daten leicht zu errechnen ist.
  • Das MBJS sieht für die nächsten vier Jahre "einen Bedarf vor": von jährlich 20 Neueinstellungen, weigert sich aber, durch einen Einstellungskorridor das auch sicherzustellen, sondern überlässt es dem freien Spiel der Kräfte in den Schulämtern.
  • Wie weit das tatenlose Zusehen des MBJS gehen kann, zeigt sich bei den Schulämtenr Brandenburg und Wünsdorf, die das Pflichtfach LER nach 18 Jahren (!) nur zu 98% bzw. 94% eingeführt haben.
  • In den Gymnasien wurde die Qualität des LER-Unterrichts seit 2007 kontinuierlich so ausgedünnt (von 46 auf 109 Fachfremde), dass sich die Abmeldungen von LER zum Religionsunterricht im gleichen Zeitraum verdoppelt haben.
Nach Auflistung schon dieser ausgewählten Daten steht die eine Frage im Raum:
Wass muss sich noch alles für LER verschlechtern, bis die Landesregierung geneigt ist, einen Grund zur Sorge um die Entwicklung von LER zu sehen und für seine Qualitätssicherung
endlich korrigierend aktiv zu werden?  
Oder betreibt sie inzwischen das Spiel der LER-Gegner und versucht auf dem Wege des Verwaltungshandelns, LER zu dem zu machen, was diese gerne hätten, zu einem Quasselfach? 



Die vollständige Anwort des Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) finden sie unter: 
PDF: data/downloads/261272/LER_-_Kleine_Anfrage_2013.pdf

Wenn die Analyse der Daten (32 Seiten) abgeschlossen ist, wird der Vorstand über den Einblick hinaus eine komplette Stellungnahme einfügen.



Gemeinsame Forderungen zur Entwicklung von LER - Fachverband LER und GEW Brandenburg
 

1. In allen Schulen des Landes Brandenburg muss das Unterrichtsfach LER als ein Regelangebot für alle Schülerinnen und Schüler sichergestellt werden. Es ist zu einem durchgängigen Unterrichtsfach mit zwei Unterrichtsstunden in der Woche weiter zu entwickeln.

2. Der Fachunterricht in LER ist von Lehrkräften zu unterrichten, die über die Lehrbefähigung für das Unterrichtsfach LER verfügen. Die Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung LER sind im Unterrichtsfach einzusetzen. Dies ist durch die Schulaufsicht zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Der fachfremde Einsatz von Lehrkräften muss die absolute Ausnahme darstellen. Lehrkräfte, die dauerhaft in LER eingesetzt werden und über keine Lehrbefähigung verfügen, müssen ein Angebot zur berufs-begleitenden Weiterbildung erhalten. Zur Unterstützung der Qualifizierung sind den Lehrkräften Anrechnungsstunden zu gewähren.

3. Der Einsatz der Lehrkräfte im Unterrichtsfach muss durch eine hohe Kontinuität gekennzeichnet sein. Nur so ist gewährleistet, dass die notwendigen Voraussetzungen für ein gelingendes  Gestalten der Lernprozesse im Unterrichtsfach  dauerhaft sichergestellt werden. Diese Voraussetzung gilt für alle anderen Unterrichtsfächer.

4. Die Ausbildung von Lehrkräften für das Unterrichtsfach LER an der Universität Potsdam ist bedarfsdeckend für alle Schulstufen auszubauen. Bei der Einstellung von jungen Lehrkräften ist sicherzustellen, dass die Erteilung des Unterrichtes in LER zukünftig durch Lehrkräfte mit der entsprechenden Lehrbefähigung erfolgen kann und muss.

5. Auch im Fach LER– wie in allen anderen Unterrichtsfächern –  ist es notwendig, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Lerngruppen deutlich reduziert wird und Möglichkeiten der Teilung von Klassen verbindlich festgeschrieben werden.

6. Das Unterrichtsfach LER ist als ein Unterrichtsfach auch für die gymnasiale Oberstufe weiterzuentwickeln und es ist eine entsprechende Konzeption zur Umsetzung und Einführung zu erarbeiten.


( Potsdam, 25.. Oktober 2011, anlässlich der gemeinsamen Tagung "20 Jahre LER - eine Reflexion in Verantwortung")
 
 
 

 
Grußwort des Fachverbands LER zum Festakt „10 Jahre LER“ als grundständiges Studium an der Universität Potsdam
 
Der Fachverband LER gratuliert dem Institut LER sowie allen Studenten und Absolventen des Lehramtsstudienganges zum 10-järigen Jubiläum.

Ein altes Sprichwort sagt: „Der Erfolg hat viele Väter“ und Mütter. Viele von ihnen können Sie heute hier sehen - viele sind ungenannt mit uns verbunden.
Als der Modellversuch LER 1992 an 45 Schulen mit 90 Lehrerinnen und Lehrern begann und am Ende von 6.000 Schülern besucht wurde, musste alles neu entwickelt und erprobt werden: Konzept, Rahmenlehrplan, Weiterbildung und Materialien für den Unterricht – und das bei dauernder politischer und medialer Kontroverse.
Das war ein Drahtseilakt von allen Beteiligten. Eine Grafik vom LER-Lehrer Vardaru aus Jüterbog mit dem Titel „Aufwärts“,  bringt das gelungen zum Ausdruck: Da geht ein Seiltänzer schräg nach oben. Er schenkte sie den Leitern des Modellversuchs. Verdient haben sie aber alle Akteure und besonders die LER-Lehrkräfte damals, die Entscheidendes für die Akzeptanz von LER und die Verankerung im Schulgesetz 1996 geleistet haben.
Im Weiterbildungsverein wbl. e.V. wurden dann ab 1996 über 700 Lehrkräfte berufsbegleitend für LER ausgebildet. Davon zehrt heute noch das Fach LER im Land. Viele von den Studenten und Absolventen hier im Saal verdanken wahrscheinlich ihnen bzw. den Modellversuchslehrern die Motivation zum LER-Studium.
2003 begann dann das grundständige Studium hier an der Universität. Die  professionelle Arbeit des Lehrkörpers setzte neue Maßstäbe und führte zu ständig steigenden Bewerbungen. So erhielt das Lehramtsstudium LER den Status eines eigenen „Instituts LER“.
Diese Anerkennung warf ein besonderes Licht auf das LER-Studium. Dieses Licht hat ein Foto aus der letzten Woche aufgenommen. Da ist aber auch ein Schatten zu sehen. Der könnte einige offene Fragen bezüglich der Gegenwart und Zukunft von LER symbolisieren, die als neue Herausforderungen vor uns allen stehen. Es geht um folgende Problemlage.
 
  1. Ab 2007 wird LER nur noch zu 50% von Fachlehrkräften für LER unterrichtet. Es fehlen heute ca. 600 ausgebildete LER-Lehrer an den Schulen.
  2. Von 2007-2012 wurden 25 LER-Absolventen eingestellt, also pro Jahr 5. Bei Beibehaltung dieses Tempos werden nach Adam Riese die 600 heute bereits fehlenden LER-Lehrkräfte in etwa 120 Jahren (!) an den Schulen Brandenburgs angekommen sein.
Das ist ein Desaster für das Fach LER und ein bildungspolitischer Skandal.
Sie, die Studenten und Absolventen von LER sind mehr wert, als dass man ihnen nach 12 Jahren fleißigen Lernens und fünf Jahren intensiven Studiums sagt. „April, April. Wir haben keine Verwendung für Sie. Hinweg mit Euch - auf die Arbeitslosenmüllhalde der Gesellschaft!“
So kann Brandenburg nicht mit seinen besten Jugendlichen umgehen, die Ihre Schulzeit nicht verpennt und versoffen haben, sondern: Jeder von Ihnen hat  aus den Geldern Brandenburger Steuerzahler und aus sich selbst das Beste für das Land gemacht: Nämlich ein hochqualifiziertes „Humankapital“.
Ich glaube: Wir müssen diesen Skandal gemeinsam in die Öffentlichkeit tragen, der Fachverband und das Institut LER und-  Sie als Studenten und Absolventen.  Sie können mit Recht und Stolz den Bildungspolitkern im Land sagen:
 „Wir sind mehr wert. – Wir sind für die Schulen Brandenburgs ein Gewinn.“     

 Wir vom Fachverband LER sind stolz auf Sie. Und wir werden Sie bei der notwendigen Öffentlichkeitsarbeit nach besten Kräften unterstützen.
Der Fachverband LER wünscht Ihnen und allen Gästen eine schöne Feier, persönliches Glück und weitere Erfolge – für sich selbst - und für das Land Brandenburg.  
Vielen Dank
Peter Kriesel
(stellv. Vorsitzender)
 
Übergabe des erwähnten Fotos vom Institut LER an Herrn  Prof. Hafner, Direktor des Instituts LER, Universität Potsdam.
Übergabe des Fotos von der Demo der GEW in Potsdam mit dem Plakat „Wir sind mehr wert!“ an die Studentin Frau Teresa Picker, Fachschaftsrat LER.