Tagebuch eines Seggls

 - Eine Leseprobe -

Frohes Neues Jahr – Wenn 's an der Haustür zweimal klingelt; 4. Januar

Da freut man sich auf ein paar ruhige Tage nach dem ganzen Weihnachts- und Silvestertrubel. Vor allem freue ich mich darüber, daß endlich ein neues Jahr angebrochen ist. Es kann ja nur besser werden. Immerhin habe ich aufgrund meiner Zahnprobleme nicht die ganze Zeit sinnlos rumgefressen, so brauch ich auch nicht abspecken. Nein, Spiegeleier hab ich keine, ich sehe mein Geschlechtsteil noch, wenn ich direkt nach unten sehe.

Die Wohnung sieht aus. Es ist wochenlang nichts gemacht worden hier, aber wie auch. Ich war ja krank. Da kann man das auch nicht von mir verlangen, daß ich dann auch noch selber putze. Und meine Freundin ist noch bei der Arbeit. Sobald sie heimkommt wird erstmal gevögelt. Alles ist hierfür vorbereitet. Das Bett habe ich extra nicht frisch überzogen. Nach dem Motto: „erst das Vergnügen, dann die Arbeit“ habe ich sogar schon Staubsauger und Putzlappen vorher bereitgestellt, beziehungsweise -gelegt. Dann muß sie nicht suchen, denn bis Ostern ist es ja noch eine Weile. Meine Ohrenstöpsel liegen auf dem Nachttisch, so daß ich bei all dem Krach wenigstens einigermaßen schlummern kann.

Ich lege mich schonmal nackt ins Bett, in einer Viertelstunde kommt sie. So hat sie es angekündigt. Es klingelt an der Tür. Sie hat wohl wieder ihren Schlüssel vergessen. Typisch Frau! Ich überlege kurz, ob ich sie ein paar Minuten stehen lassen soll, damit sie daraus endlich mal was lernt. Sie ist eh zu früh dran. Dann erhebe ich mich aber doch, ich kann es nämlich kaum erwarten. Deshalb ziehe ich mir auch nur schnell meinen Bademantel an, alles andere wäre zu viel Aufwand. Ich renne an die Haustür und öffne. Erst meinen Bademantel, dann die Haustür – beides mit einem Ruck.

Mehrere bunt angezogene und geschminkte Halbwüchsige stehen vor der Haustür. Ihre Augen scheinen gleich auszufallen. Der Katholiken-Karneval, auch Sternsinger genannt, ist unterwegs. Auch das noch. Ich frage mich, warum die so entsetzt dreinschauen. Die müßten doch an derartige Anblicke gewöhnt sein. Na gut, vielleicht nicht in diesen Ausmaßen. Aber nicht alles, was bei den Katholiken mit Sack anfängt hört auch mit Rament auf. Das dürfte ja mittlerweile allgemein bekannt sein. So wie ich wieder bei Sinnen bin, schmeiße ich die Haustür mit Karacho zu. Daß mein Glied dabei nicht einklemmt, ist nur der Tatsache geschuldet, daß sich...

© Fritz Köcher, 2009/2010