Rosenmeer

 

Schau her auf diese Blütenpracht,

hab alles nur für Dich gemacht.

Ein Meer aus Rosen ist nun Dein,

Die schönste davon wirst Du sein.


Doch schnell vergeht der Schönheit Glanz,

und Charme und Reiz zerfallen ganz.

Das alles will ich nicht vermissen.

Ich werde mir zu helfen wissen.


Die Rosen werden dann noch blüh'n,

wenn Deine Wangen nicht mehr glüh'n.

So trink ein Glas vom roten Wein,

und gleite dann ins Meer hinein.


Ich seh's Dir an, Dir fehlt der Mut,

ich werf' Dich in die rote Flut.

Laß' das Zappeln, laß' das Fauchen?

Sollst sanft nur in die Blüten tauchen.


Es befinden sich an Rosen,

auch Dornen, die die Haut durchstoßen.

Ich ließ' es sein, sie abzubrechen.

Ich möchte seh'n, wie sie Dich stechen.


Über Blüten strömt Dein Blut,

das rote Kleid, es steht Dir gut.

Wie weicher Samt umhüllt es Dich,

beim fahlen Schein von Kerzenlicht.


Deine Schreie sind verstummt,

ein letzter Hauch aus Deinem Mund.

Du flüsterst mir noch einmal zu,

dann ist's vorbei, und es ist Ruh'.


Vom Kopf bis hin zu Deinen Zeh'n.

Solch' Schönheit hab ich nie geseh'n.

Vergeht sie sonst im Lauf der Zeit,

ist diese für die Ewigkeit.


Ich gieß' mein Glas noch einmal ein,

und weiß: Du bist für immer mein.

Ich küsse Dich ein letztes Mal

und will verlassen diesen Saal.


Doch plötzlich spür' ich starke Schmerzen.

Mir wachsen Rosen aus dem Herzen.

Durchbohren mich dann ganz und gar,

werd' Opfer dieser Dornenschar.


Die Qual vernebelt mir die Sinne,

ich höre wieder Deine Stimme.

Drum spring auch ich ins rote Meer

und schwimm' Dir einfach hinterher.

 

© Fritz Köcher, 2009/2010